<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000036-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Feilnbach</placeName>, <date>27.7.1906</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0036" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000036-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Feilnbach</placeName><date when="1906-07-27">27.7.1906</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116589817">Eugen Kühnemann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118675508">Houston Stewart Chamberlain</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118607626">Friedrich Schiller</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Feilnbach</placeName>, <date>27.7.1906</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></head></front><body><p><abbr>z. Z.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-173"/>Feilnbach<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-173"/> in Oberbayern</p><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-174"/>27.VII.06<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-174"/></dateline><salute><abbr>Ew.</abbr> Excellenz</salute><p>spreche ich meinen ehrerbietigsten Dank aus für die rasche Erledigung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-175"/>meines Gesuchs um Emeritirung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-175"/>. Es ist mir freilich ein äußerst betrübendes, wehmütiges Gefühl, gerade jetzt vom Schauplatz zurücktreten zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-176"/>müssen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-176"/>, wo ich die Früchte langjähriger Bemühungen immer mehr und reicher ernten konnte. Aber ich durfte mir nicht länger verhehlen, daß ich das mir <pb/> anvertraute Amt nicht mehr ausfüllen konnte, und damit wurde es mir zur Ehrenpflicht, lieber offen der vorgesetzten Behörde den Thatbestand darzulegen, als jahrelang mit Viertelskraft zu arbeiten, und damit das Fach, das Amt und die Universität zu schädigen. So mußte ich bei Zeiten einem Anderen Platz machen um nicht entweder in Verzweiflung über die Unzulänglichkeit zu endigen, oder durch Andre erst auf diese Unzulänglichkeit aufmerksam gemacht zu werden. Da das wichtigste Organ, die Augen, mich im Stich ließ, mußte ich, so bitter es mir war, die Consequenzen daraus ziehen. <pb/></p><p>Infolge meiner zunehmenden Augenschwäche ist auch in die Versendung der Kantstudien an <abbr>Ew.</abbr> Excellenz Unregelmäßigkeit hineingekommen, was ich mit den Umständen gütig zu entschuldigen bitte.</p><p>Aus dem neuesten Hefte beehre ich mich Ihnen den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-177"/>Aufsatz von D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> <name>Bauch</name> über <name>Chamberlain</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-177"/><name/> separat zu senden, und möchte darauf aufmerksam zu machen mir erlauben, daß D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> <name>Bauch</name> als ausgezeichneter Kenner der Klassischen deutschen Litteratur, und insbesondere <name>Schiller</name>s, sowie als erfolgreicher Redner ein sehr geeigneter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-178"/>Nachfolger für <abbr>Prof.</abbr> <name>Kühnemann</name> in Posen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-178"/> wäre. D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> <name>Bauch</name> ist eine vielversprechende Kraft, hat eine seltene Redegabe nach der <pb/> Art <name>Kuno Fischer</name>s, dessen Schüler er ist; er spricht sehr gewandt, und dabei versteht er populär zu sprechen, besonders über den Zusammenhang der deutschen Literatur und Philosophie: er beherrscht gerade das Gebiet <name>Kühnemann</name>s und gehört auch derselben Richtung an. Als Redacteur der Kantstudien hat er sich sehr bewährt und wird voraussichtlich diese Zeitschrift dauernd redigiren, so daß deren Bestand auf viele Jahre hinaus gesichert ist. Freilich würde es sehr wünschenswerth sein, eine so ausgezeichnete Kraft später der Universitätswirksamkeit wieder zuzuführen.</p><p>Indem ich <abbr>Ew.</abbr> Excellenz zu der neuesten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-179"/>amerikanischen Ehrung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-179"/> ergebenst gratulire, zeichne ich <abbr>Ew.</abbr> Excellenz ehrerbietigster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-173"><lem>Feilnbach</lem><rdg>Feilenbach</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-174"><lem>27.VII.06</lem><note>darunter Bleistiftnotiz von Althoffs <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>Ist er G[eheimer] R[egierungs] R[at] geworden? Nein. | A 2/8.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-175"><lem>meines Gesuchs um Emeritirung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 10.2.1906.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-176"><lem>müssen</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-177"><lem>Aufsatz von D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> <name>Bauch</name> über <name>Chamberlain</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Bruno Bauch: Chamberlains „Kant“. In: Kant-Studien 11 (1906), <abbr>S.</abbr> 153–195.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-178"><lem>Nachfolger für <abbr>Prof.</abbr> <name>Kühnemann</name> in Posen</lem><note><name>Eugen Kühnemann</name> (1868–1946) war seit 1903 Direktor der neu gegründeten Königlichen Akademie zu Posen, 1906 <abbr>o. Prof.</abbr> in Breslau. <name>Bauch</name> ging erst 1911 als <abbr>o. Prof.</abbr> nach Jena (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-179"><lem>amerikanischen Ehrung</lem><note>Ehrendoktorwürde der Havard University, <abbr>vgl.</abbr> Arnold Sachse: Friedrich Althoff und sein Werk. Berlin: E. S. Mittler &amp; Sohn 1928, <abbr>S.</abbr> 117.</note></app></listApp></back></text></TEI>