<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000031-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>19.12.1904</date>, <note>4 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0031" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000031-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1904-12-19">19.12.1904</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11600780X">Erich Adickes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118717995">Adolf Goldschmidt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117183857">Ludwig Busse</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/142466824">Franz Erhardt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11736701X">Hermann Schwarz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682261">Johann Eduard Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118587943">Friedrich Nietzsche</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>19.12.1904</date>, <note>4 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-153"/>19. Dezember 1904<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-153"/></dateline><salute><abbr>Ew.</abbr> Excellenz</salute><p>beehre ich mich, anbei die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-154"/>3. Auflage meines Schriftchens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-154"/> über <name>Nietzsche</name> zu überreichen mit der ganzen ergebensten Bitte, diese ziemlich erweiterte Auflage gütigst entgegennehmen zu wollen. Gleichzeitig bin ich so frei, zwei weitere von mir hervorgerufene <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-155"/>Dissertationen von Schülern von mir über <name>Nietzsche</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-155"/>, beizulegen, da diese Abhandlungen von allgemeinerem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-156"/>Interesse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-156"/> sind; einige weitere Dissertationen speciell über <name>Kant</name> sind in Arbeit.</p><p>Bei dem überaus gütigen Interesse, das <abbr>Ew.</abbr> Excellenz unserer <hi rend="underline">Kantgesellschaft</hi> entgegenzubringen die Gewogenheit haben, darf ich wohl die Mittheilung hinzufügen, daß unser Stammcapital, das ich gesammelt habe, nunmehr schon über <hi rend="underline">24,000 Mark</hi> beträgt, und daß ich Hoffnung habe, dasselbe noch höher zu bringen, da ich unausgesetzt dafür thätig bin, diese der Universität Halle als Eigenthum überwiesene Stiftung im Interesse des Kantstudiums und der Universität immer noch zu vermehren. <pb/></p><p>Gerne möchte ich bei dieser Gelegenheit wagen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-157"/>meine Eingaben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-157"/> vom <hi rend="underline">10. Dezember 1901</hi> und vom <hi rend="underline">21. März 1903</hi> um <hi rend="underline">Gewährung des Normalgehalts</hi> <abbr>Ew.</abbr> Excellenz in geneigte Erinnerung zu bringen. Ich bin nunmehr 10 Jahre Ordinarius, und stehe (und auch dies erst seit 2 Jahren) noch immer auf der Gehaltsstufe von 4000 Mark, ohne an der aufsteigenden alle 4 Jahre eintretenden Gehaltsaufbesserung der etatmäßigen Ordinarien theilzunehmen. Nunmehr im 53. Lebensjahre stehend habe ich den natürlichen Wunsch, in die Zahl der etatmäßigen Ordinarien einzurücken und an der Wohlthat der steigenden Gehaltserhöhung theilzunehmen.</p><p>Ich bin in dieser Hinsicht jetzt ungünstiger gestellt als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-158"/>unser <hi rend="underline">jüngster</hi> Ordinarius <hi rend="underline"><name>Goldschmidt</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-158"/>, welcher etatmäßiger ordentlicher Professor geworden ist; ja ich bin ungünstiger gestellt als mehrere der jüngeren Gelehrten, welche von mir gelernt haben und welche nach mir Ordinarien geworden sind (wie <abbr>z. B.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-159"/><name>Busse</name>, <name>Adickes</name>, <name>Erhardt</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-159"/> <abbr>u. A.</abbr>).</p><p>Einerseits sind meine Vermögensverhältnisse keineswegs so günstig, daß ich den Ausfall nicht <pb/> recht unangenehm empfinden müßte; die mir dadurch entstehende Schädigung wird Jahr für Jahr größer, während doch die Ausgaben für die heranwachsenden Kinder jedes Jahr steigen. Andererseits erblicken die Kollegen in der langen Beibehaltung meines jetzigen Gehaltes doch eine Zurücksetzung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-160"/>und lassen mich dies gelegentlich wohl merken.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-160"/></p><p>Vielleicht darf ich der Bitte einen Vorschlag hinzufügen, wie diese Angelegenheit am ehesten geordnet werden könnte. Die Stelle des im Jahre 1892 verstorbenen Professor <name>Johann Eduard Erdmann</name> ist noch immer <hi rend="underline">unbesetzt</hi> und sein Gehalt läuft noch immer im Etat. Vielleicht könnte <hi rend="underline">dieser Ordinariatsgehalt</hi> – vielleicht mit dem Anfangsgehalt von 5000 <abbr>M.</abbr> – <hi rend="underline">mir</hi> überwiesen werden, und dann könnte vielleicht <hi rend="underline">mein Extraordinariat</hi> an den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-161"/><hi rend="underline">Privatdocenten <abbr>Dr.</abbr> <name>Schwarz</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-161"/> übertragen werden. Die Facultät hat den letzteren zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-162"/>Extraordinariat<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-162"/> vorgeschlagen, und er verdient in der That eine Berücksichtigung seines Wunsches um Beförderung: er, der nunmehr 40 Jahre alt ist, hat sich nicht nur durch wissenschaftliche Publicationen, sondern auch durch fleißiges und erfolgreiches Kolleglesen <pb/> sehr verdient gemacht: er füllt geradezu Lücken des Lehrplanes aus, und sollte er wegberufen werden, so müßten wir an seiner Stelle um einen Extraordinarius bitten. Es wäre ihm zu gönnen, wenn er auch endlich seine nun 35jährige Braut heimführen könnte.</p><p>Indem ich <abbr>Ew.</abbr> Excellenz bitte, mein Gesuch in gütige Erwägung zu ziehen, zeichne ich in tiefster Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Excellenz ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-153"><lem>19. Dezember 1904</lem><note>darunter Bleistiftnotiz von Althoffs <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>D. K. geschickt. A 20/12.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-154"><lem>3. Auflage meines Schriftchens</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 3., vermehrte, billige <abbr>Aufl.</abbr> Berlin: Reuther &amp; Reichard 1905.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-155"><lem>Dissertationen von Schülern von mir über <name>Nietzsche</name></lem><note>darunter vermutlich Richard Oehler: Nietzsches Verhältnis zur vorsokratischen Philosophie. Dissertation Halle 1903; Erich Witte: Das Problem des Tragischen bei Nietzsche. Dissertation Halle 1904; Walther Hauff: Die Überwindung des schopenhauerschen Pessimismus durch Friedrich Nietzsche. Dissertation Halle 1904; jeweils mit Dank an Vaihinger in der Vita.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-156"><lem>Interesse</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-157"><lem>meine Eingaben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Kommentar zu Vaihinger an Universitätskurator Gottfried Meyer vom 5.5.1905.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-158"><lem>unser <hi rend="underline">jüngster</hi> Ordinarius <hi rend="underline"><name>Goldschmidt</name></hi></lem><note><name>Adolf Goldschmidt</name> (1863–1944), Kunsthistoriker, 1904 <abbr>o. Prof.</abbr> in Halle (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/goldschmidtadolf.html</ref> (30.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-159"><lem><name>Busse</name>, <name>Adickes</name>, <name>Erhardt</name></lem><note><name>Ludwig Busse</name>, <name>Erich Adickes</name> sowie <name>Franz Erhardt</name> (1864–1930), seit 1899 <abbr>o. Prof.</abbr> in Rostock (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-160"><lem>und lassen mich dies gelegentlich wohl merken.</lem><note>Passage fast wörtlich auch in Vaihinger an Gottfried Meyer vom 5.5.1905 enthalten.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-161"><lem><hi rend="underline">Privatdocenten <abbr>Dr.</abbr> <name>Schwarz</name></hi></lem><note><name>Hermann Schwarz</name> (1864–1951), 1894 in Halle habilitiert, 1908 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Marburg (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-162"><lem>Extraordinariat</lem><rdg>E. O.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>