Herbert Eulenberg an Vaihinger, Düsseldorf-Kaiserswerth, 29.12.1932, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 q, Nr. 3
Düsseldorf-Kaiserswerth.
Den 29. Dezember 1932
Verehrungswürdiger Mann, ich muß mit einer Bitte um Entschuldigung beginnen: Als Ihr schöner eingehender Brief vom 21. November[1] hier eintraf, war ich im Begriff eine Erholungsreise in den Süden anzutreten: Eine Reise, die mir von Seiten meines Arztes zur Wiederherstellung meiner durch einen erlittenen Autounfall schwer geschädigten Gesundheit verordnet worden war. In den Vorbereitungen zum Aufbruch fand ich leider nicht die Zeit Ihnen für Ihren freundlichen Brief zu danken. Nun finde ich heute aus Italien heimgekehrt Ihr zweites Schreiben[2] vom 13. Dezember nebst den einliegenden Abschriften meines Gedichtes[3] vor. Und beeile | mich Ihnen meinen Dank für Ihre liebevolle Anteilnahme an meinen Sachen auszusprechen. Selbstverständlich bleibt Ihnen das Eigentum und das volle Verfügungsrecht über meine Handschrift erhalten. Ich wollte mit dieser kleinen Sache nur ein Scherflein zu Ihrem achtzigsten Geburtstag mitbeitragen und Ihnen zugleich dadurch erneut meine hohe Achtung vor Ihrem großartigen schöpferischen Einfall auf dem Gebiet der Erkenntnislehre und meine Bewunderung Ihrer ganzen denkerischen Lebensleistung zum Ausdruck bringen. Es soll mich sehr freuen, gelegentlich weiteres über das Schicksal meines Gedichtes zu vernehmen. Wie gesagt, es gehört Ihnen, und Sie können ganz nach Ihrem Gutdünken darüber schalten und walten. Mit Ihrer kleinen Änderung auf Seite 3 der Abschrift[4] erkläre ich mich gleichfalls durchaus einverstanden.
Und nun lassen Sie mich Ihnen wiederum voll Verehrung die Hand drücken, Sie großer weltweiser Mensch, der Sie die Grenzen unseres Denkens erweitert haben.
Ich neige mich gern vor Ihrem Wissen und Ihrer edlen Menschlichkeit.
Mit[a] den besten Wünschen für Ihre Gesundheit im sogenannten Jahre „1933“[5] bleibe ich Ihnen in Ehrfurcht verbunden
Herbert Eulenberg