Karl Joël an Vaihinger, Basel, 9.7.1931, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 4 d, Nr. 4

Sehr verehrter Herr College.

Vor einigen Tagen hatte ich die Freude Ihre geistig regsame Schwester[1] bei mir zu sehen. Leider kam sie im Augenblick, als sich eine in Italien lebende Wiener Bekannte[2] bei uns angemeldet hatte und wir – meine Schwester[3] und ich – bedauerten, daß wir in der Arbeit und Wirrnis[a] des Semesterschlusses und der Reisevorbereitungen sie nicht an unsern Tisch bitten konnten. Es freute mich, daß sie von Ihrem Wohlbefinden erzählte die geistige Frische sprach mir schon aus Ihrem jüngsten Aufsatz[4]. Speziell freute mich aus Ihrem freundlichen[b] Brief[5] zu entnehmen daß wir in der Auffassung Schopenhauers zusammen gehen. Haym stand zu sehr wie | ein Arzt vor der Romantik, um ihre Denker würdigen zu können.

In alter Verehrung grüßt Ihr erg[ebener]

Karl Joël

Kommentar zum Textbefund

aWirrnis ] Wirrnir
bfreundlichen ] frdl.

Kommentar der Herausgeber

1Ihre geistig regsame Schwester ] Gemeinte nicht ermittelt; Vaihinger hatte 11 Halbgeschwister, vgl. den Abschnitt Chronik biographischer Daten.
2Wiener Bekannte ] nicht ermittelt
3meine Schwester ] nicht ermittelt
4Ihrem jüngsten Aufsatz ] nicht sicher ermittelt; vgl. die annotierte Bibliographie für den fraglichen Zeitraum
5Ihrem freundlichen Brief ] nicht ermittelt