Hermann Sudermann an Vaihinger, Berlin-Grunewald, 15.1.1928, 1 S., hs., Briefkopf HERMANN SUDERMANN | BLANKENSEE BEI TREBBIN (KR. TELTOW) | BERLIN-GRUNEWALD | BETTINASTR. 3, Wasserzeichen in rundem Sigel: M K | PAPIER, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 7 m

Hochverehrter Herr Geheimrat!

Nehmen Sie meinen tiefgefühlten Dank für die Neujahrsgabe[1], die Sie mir sandten! Das tragische Schicksal Ihrer lieben, guten Tochter hat mich tieferschüttert. Ich habe mich in die Wirrnisse der armen, zerquälten Seele hineinzuversenken versucht, aber mehr als Ihre wundervoll schlichte Gedenkschrift giebt, wird wohl Keinem zu finden möglich sein.

Es sei mir vergönnt, Ihnen meinen letzten Roman[2] zuzueignen, der auch als Gedenkschrift für eine teure Tote in die Welt hinausgeht. Daß Sie Sich damit beschäftigen, kann ich nicht erhoffen, denn der Band hat 652 Seiten. Aber als Zeichen meiner Verehrung und Bewunderung soll es in Ihrem Bücherschrank nicht fehlen.

Wärmste Wünsche für künftige Zeit! Möge die Sonne allzeit einen Weg in Ihre Seele finden!

In Treue der Ihre

Hermann Sudermann

Kommentar der Herausgeber

1Neujahrsgabe ] vgl. Vaihinger an Sudermann vom 29.12.1927
2meinen letzten Roman ] vgl. Sudermann: Die Frau des Steffen Tromholt. Roman. Stuttgart/Berlin: Cotta 1927.