Vaihinger an Paul Ernst, Halle, 6.3.1926, 2 S., Ts. mit eU, Postkarte an Herrn | Schriftsteller Dr. Paul Ernst | St. Georgen a. d. Stierfieng[a] | Steiermark, Absender Geh. Rat Vaihinger | Halle a/S. Reichardtstr. 15, Poststempel HAALE (SAALE) 3 | 6.3.26 | 7–8 N, Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Ernst, Paul
Halle, am 6. März 1926
Verehrtester Herr Doktor! Mit grossem Interesse liess ich mir soeben Ihren schönen Artikel „Dichter und Volk“ vorlesen, der in unseren „Hallischen Nachrichten“[1] erschienen ist (die wohl zu dem sog[enannten] Huck-Konzern[2] gehören).[b] Das ist die beste Geburtstagsrede, die Sie sich selbst resp. die Sie dem deutschen Volke zum 7. März[3] halten konnten. Möge sie richtig wirken und immer kräftiger nachwirken, sodass Sie in 10 Jahren, d. h. zu Ihrem 70. Geburtstag, die günstigen Folgen davon erleben. Möge die jetzige Feier dazu beitragen, auch Ihre Geltung im Ausland zu bekräftigen. Vor etwa einem halben Jahre bekam ich von einem Berliner Professor (dessen[c] Name mir entfallen ist) eine Aufforderung[4] betr[effend] Stockholm. Natürlich habe ich mich warm daran beteiligt und habe mich gefreut dass mehrere hervorragende Akademiker sich für diese Sache eingesetzt haben. So wird doch hoffentlich die Wirkung nicht ausbleiben.
Mit herzlichen Grüssen und Wünschen auch für Ihre verehrte Gattin bin ich nebst meiner Frau Ihr ganz ergebener
Vaihinger |
P. S. Haben Sie noch den allerherzlichsten Dank für das gütige Geschenk Ihrer „Erdachten Gespräche“[5]. Wenn Sie eine Neuauflage davon machen, könnten Sie vielleicht einzelne Titel z. B. den von „Idealismus und Positivismus“ erweitern durch einen erläuternden Zusatz, in diesem Fall etwa „Mit Rücksicht auf die Vaihingersche Philosophie des Als Ob“. Das Gespräch „Das Gebet“ (eine vorzügliche psychologische Skizze) könnte vielleicht den Zusatz bekommen „Luther am Krankenbett Melanchthons“. Gruss