Vaihinger an Paul Natorp, Halle, o. D. [23.4.1920], 2 S., Ts., keine eU, Postkarte an Herrn Professor | Dr. Natorp | Marburg /Lahn | Barfüßertor 25., Poststempel HALLE (SAALE) 2 | 23.4.20. 7–8 N, Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1113
Verehrter Herr College![a] Es ist möglich, dass wir am 30. Mai vormittags noch Zeit übrig haben und dafür, für diese Eventualität, darf ich vielleicht einen Vorschlag machen, den ich gleichzeitig auch Liebert mache: Letzterer hat vor etwa sechs Wochen in Berlin einen Vortrag gehalten, etwa mit dem Titel „Zukunftsaufgaben des Kritizismus“[.] Der Vortrag hatte grossen Erfolg. Wie wäre es nun, wenn wir diesen Vortrag eventuell[b] als Korreferat zu dem Ihrigen[1] betrachten und ansetzen würden? Ich glaube nicht, dass der Eindruck Ihres Vortrages dadurch beeinträchtigt[c] würde: dazu stehen Sie als Gelehrter und als Mensch zu hoch. Aber für den Fall, dass noch eine Stunde frei wäre, würde diese peinliche Lücke auf diese Weise schön ausgefüllt werden können.
Den Nachmittagsvortrag[2] hält Direktor Goldbeck-Berlin über „Philos[ophische] Propäd[eutik] vom Standpunkt der Jugendpsychologie aus“[.] Auch hier wäre ein Korreferat wünschenswert, und vielleicht gewinnen wir noch dazu eine Kraft. Jedenfalls hoffen wir auf Ihre Beteiligung an der Debatte. Viell[eicht] gewinne ich als Korreferent noch einen hiesigen Praktiker. Die Vorbereitungen machen mir sehr[d] viele Mü|he[e], weil ich jetzt fast blind bin. Eine Stütze für mich ist der neue Priv[at] Doz[ent] Dr. Wichmann[3]. – An der Debatte Einstein[4] werden Sie sich wohl auch beteiligen. Die Sache ist jetzt sicher. – Eiligst Ihr
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