Richard Falckenberg an Vaihinger, Erlangen, 4.7.1917, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 8 b, Nr. 3
Erlangen, 4. Juli 1917.
Sehr verehrter Herr Kollege!
Trotz der lebhaften Erinnerung an die Plage, die mir die große Zahl der Bearbeitungen der Wahrheitspreisaufgabe[1] bereitet hat, bin ich prinzipiell nicht abgeneigt, auf Ihren freundlichen und ehrenvollen Antrag[2] vom 2. d[es Monats] Ja zu sagen. Definitive Zusage kann ich natürlich erst erteilen, wenn Sie mir Ihrem Versprechen gemäß Genaueres über die Bedingungen, Termin etc. werden mitgeteilt haben. Mit den beiden Preisrichtern[3] bin ich durchaus einverstanden, ebenso mit dem aktuellen und fesselnden Thema. Hoffentlich wird die Zahl der Bewerber u. der Umfang der Arbeiten diesmal geringer sein (letzteres sollte ausdrücklich im Anschreiben[4] zur Bedingung gemacht werden![a]).[b] – Stumpf hat mir den schönen Lotzeartikel[5] bereits zugesandt. Den Söhnen geht’s | Gottlob gut. Der älteste, Hans[6], Braunschweiger Privatdozent der Mathem[atik] u. Oberleutnant, hat hier am 16. Juli[c] Hochzeit gehalten; es war ein wunderschönes Fest. Das junge Paar hat 10 köstliche Tage in Garmisch verlebt; dann musste es sich schon wieder trennen, denn Hindenburg[7] duldet in der Nähe von Diedenhofen[8] keine Gattinnen.
Mit besten Empfehlungen auch an Ihre verehrten Damen Ihr ergebenster
R Falckenberg.
Kommentar zum Textbefund
a↑Umfang … werden! ] am rechten
Rd. doppelt mit Bleistift angestrichen
b↑werden!). ] folgt Fußnotenzeichen und -text:
Auch eine gewisse Freiheit für den Verteilungsmodus wäre erwünscht! Kommentar der Herausgeber
1↑Wahrheitspreisaufgabe ] ausgeschrieben 1910 (Kants Begriff der Wahrheit und seine Bedeutung für die erkenntnistheoretischen Fragen der Gegenwart),
vgl. den Bericht von
Falckenberg,
Paul Menzer und
Richard Hönigswald in: Kant-Studien 19 (1914),
S. 458–463.
2↑ehrenvollen Antrag ] Schreiben Vaihingers nicht ermittelt
3↑beiden Preisrichtern ] Richard Falckenberg war mit
Theodor Elsenhans und
Max Frischeisen-Köhler Preisrichter der 2.
Carl Güttler-Preisaufgabe mit dem Thema: Kritische Geschichte des Neukantianismus von seiner Entstehung bis zur Gegenwart,
vgl. Achtes Preisausschreiben der Kantgesellschaft. In: Kant-Studien 22 ([1917]/1918),
S. 213–216, ausgeschrieben im August 1917.
4↑im Anschreiben ] vgl. Vaihinger mit Arthur Liebert: Achtes Preisausschreiben der Kantgesellschaft. Zweite Carl Güttler-Preisaufgabe. Thema: Kritische Geschichte des Neukantianismus von seiner Entstehung bis zur Gegenwart. In: Kant-Studien 22 ([1917]/1918),
S. 213–216. Über den Umfang der Arbeiten wird dort nichts bestimmt, die Preisverteilung soll flexibel gehandhabt werden.
5↑schönen Lotzeartikel ] vgl. Carl Stumpf: Zum Gedächtnis Lotzes. In: Kant-Studien 22 ([1917]/1918),
S. 1–26.
6↑Hans ] Hans Falckenberg (1885–1946) war zuletzt Professor der Mathematik in Gießen (
NDB).
7↑Hindenburg ] Generalfeldmarschall
Paul von Hindenburg (1847–1934 ), 1916–1918 Chef der Obersten Heeresleitung (
NDB).
8↑Diedenhofen ] Thionville; 1871–1918 zu Deutschland (Elsaß-Lothringen).