Herbert Eulenberg an Vaihinger, Kowno (Kaunas), 13.12.1916, 1 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 q, Nr. 1

Sehr geehrter Herr Professor, ach ja, machen Sie mir die große Freude und senden Sie mir Ihr philosophisches Werk[2]. Nach Kaiserswerth am Rhein. Dort denk’ ich über Weihnachten sein zu können. Meine Frau, die mir Ihren gütigen Brief übersendet, freut sich mit mir auf die schöne Beschäftigung mit Ihrem Buch. Mir ist zumut, „als ob“ Frieden würde. Welch ein Glück für die ganze Menschheit, wenn die Fiktion Realität würde! Ich danke Ihnen recht sehr für Ihre freundlichen Zeilen[3]. Und nochmals, ein herzliches Willkommen tönt Ihrem Buch entgegen vom Dramatiker und Geistesmenschen

Herbert Eulenberg.

Kommentar der Herausgeber

1Kowno ] russischer Name der litauischen Stadt Kaunas; seit 1915 unter deutscher Besatzung. Womöglich Station des Kriegseinsatzes; laut seines Biographen Thomas Eulenberg war Herbert Eulenberg 1914–1917 mit anderen Schriftstellern und Künstlern in einer „Künstlerkompanie“ im Osten (https://www.haus-freiheit.de/bioherbert.html; 24.8.2022).
2Ihr philosophisches Werk ] meint Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob, 1911 u. ö.
3freundlichen Zeilen ] nicht ermittelt