Elisabeth Förster-Nietzsche an Vaihinger, Weimar, 21.7.1915, 3 S., hs. (andere Hd., mit eU), quadriertes Papier, Briefkopf NIETZSCHE-ARCHIV. | WEIMAR, DEN …, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 8 n, Nr. 7

diktiert.

Verehrter Herr Geheimrat!

Mit allem was Sie in Ihrem werten letzten Brief[1] sagen bin ich einverstanden. Es war mir wieder überraschend, wie schnell und gut Sie aus neuen Nachrichten die Quintessenz herausziehen und danach Ihre Entschlüsse fassen. Mir scheint, daß Sie wiederum das allein richtige für die gegenwärtige Sachlage[2] gefunden haben, so daß wir nun die ganze Angelegenheit der Zukunft überlassen. Meinen wärmsten Dank für alles was Sie dafür getan haben!

Anbei sende ich Ihnen mein neues Buch[3], das Sie noch viel schöner gebunden erhalten sollten, aber der neue Verleger, Georg Müller, | läßt mich auf eine wahrhaft ärgerliche Weise im Stich, er schickt mir weder Honorar, noch die bestellten, bevorzugten Exemplare. Vielleicht finden Sie in Ihrem Sommeraufenthalte jemand der Ihnen das Buch teilweise vorliest.

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine recht schöne Erholung und füge die dringende Bitte hinzu, daß wenn Ihr Weg Sie bei der Rückkehr von Ihrer Erholungsreise vielleicht an Weimar vorbeiführt[4], mir doch gütigst einen Tag zu schenken. Vielleicht machte mir Ihre Frau Gemahlin und Ihr Töchterchen die große Freude Sie zu begleiten? Ich | hätte so Vieles und Wichtiges auf dem Herzen, was ich so gern mit Ihnen besprechen möchte.

Mit den verbindlichsten Grüßen Ihre aufrichtig dankbare

Elisabeth Förster-Nietzsche[a]

Kommentar zum Textbefund

aMit … Förster-Nietzsche ]  eigenhändig

Kommentar der Herausgeber

1Ihrem werten letzten Brief ] nicht ermittelt
2gegenwärtige Sachlage ] der Verleihung des Nobelpreises für Literatur, vgl. die vorangegangenen Schreiben Förster-Nietzsches.
3mein neues Buch ] vgl. Förster-Nietzsche: Wagner und Nietzsche zur Zeit ihrer Freundschaft. Erinnerungsgabe zu Friedrich Nietzsches 70. Geburtstag den 15. Oktober 1914. München: Georg Müller 1915.
4an Weimar vorbeiführt ] ein Besuch Vaihingers bei Elisabeth Förster-Nietzsche auf der Rückreise von Friedrichroda ist z. B. für Herbst 1916 dokumentiert, vgl. Vaihinger an Paul Ernst vom 7.11.1916.