Eduard Spranger an Vaihinger, Charlottenburg (zu Berlin), 26.3.1914, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 k
Charlottenburg 4, Pestalozzi-Str. 9a.
den 26. März 1914.
Hochverehrter Herr Geheimrat!
Ihre freundlichen Zeilen[1] habe ich mit umso größerer Freude empfangen, als sie mir ein Zeichen Ihrer Genesung waren. Für die Rücksendung der Bilder von Riehl[2] meinen verbindlichsten Dank. Es steht jetzt alles unter dem Zeichen des bevorstehenden Geburtstages[3]. Auch ich bin unausgesetzt bei der Arbeit gewesen, um einen Beitrag für die Festschrift[4] fertigzustellen, wozu natürlich während des Semesters keine Stunde Zeit bleibt. Um den 6. April herum möchte ich nun noch 14 Tage auf Reisen gehen, um mich für den Sommer etwas zu stärken. Ich erwähne dies, weil ich mich mit diesen Plänen in einen gewissen | Konflikt begebe. Denn selbstverständlich ist es längst mein lebhafter Wunsch, einmal an der Generalversammlung der Kantgesellschaft teilnehmen zu können. Andrerseits aber würde ich dann meine Reise, die des Frühlings wegen ziemlich südlich geht, so sehr abkürzen müssen, daß sie nicht mehr recht lohnen würde. So schmerzlich ich es beklage, bleibt mir also doch nichts übrig als die gütigen Worte, mit denen Sie mich eingeladen haben, durch eine Entschuldigung zu beantworten. Die Notwendigkeit, etwas für die Gesundheit zu tun, macht sich eben nach einem Leipziger Winter besonders bemerkbar.
Empfangen Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, nochmals die besten Wünsche für Ihr Befinden und herzlichen Dank für alle Güte!
Ihr in lebhaftester Verehrung ergebener
Eduard Spranger.