Richard Hönigswald an Vaihinger, Breslau, 24.11.1912, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 3 e, Nr. 7
Breslau V. Tauentzienstraße 7, den 24.XI.1912.
Hochverehrter Herr Geheimrat!
Die Übersendung einer soeben erschienenen kleinen Arbeit[1] von mir, die ich mir erlaube Ihnen gleichzeitig mit diesen Zeilen als Drucksache zugehen zu lassen, bietet mir den willkommenen Anlaß, Ihnen meinen herzlichsten Dank auszusprechen für die liebenswürdigen Zeilen, mit welchen Sie meinen Geburtstagswunsch zu beantworten die Güte hatten[2]. Wie immer, so bekundeten Sie auch diesmal Ihr mir so überaus wertvolles, herzliches Interesse an meinem menschlichen und akademischen Ergehen. – Dass ich hier momentan[a] wieder Kühnemann vertrete[3], ist Ihnen wohl bekannt. Der sehr gute Besuch meiner Vorlesungen und Übungen ist z. T. ge|wiß[b] auch diesem Umstand zuzuschreiben. Ganz besondere Freude macht mir mein Kolleg über die „Psychologie des Erkennens“, dessen Plan durchaus unter dem Einfluß Ihrer gelegentlichen gütigen Anregung gefasst worden war. Vielleicht ist es mir möglich, in absehbarer Zeit über diesen Gegenstand etwas, u. zw[ar] mit einem Ausblick auf gewisse Probleme der Pädagogik hin, zu veröffentlichen.[4]
Herzlich erfreut hat mich Ihre Nachricht von der bevorstehenden zweiten Auflage Ihres großen Werkes.[5] Und eine[c] ganz besondere Freude wäre es für mich, wenn meine Besprechung[6] in den Gött[ingischen] Gel[ehrten] Anz[eigen] mit dazu beigetragen haben würde, wenn auch zum ganz kleinen Teile, diesen Erfolg zu zeitigen. Auf jeden Fall beweist er Ihnen, wie zeitgemäß Ihr Hervortreten doch gewesen | ist und wie sehr Sie doch[d] von der Zeit verstanden worden sind. In herzlicher Mitfreude spreche ich Ihnen hierzu, hochverehrter Herr Geheimrat[e], meine aufrichtigsten Glückwünsche aus. In der zuversichtlichen Hoffnung, daß es Ihnen und den verehrten Ihrer immer gut geht, bin ich mit den ergebensten Empfehlungen auch an Ihre hochverehrte Frau Gemahlin Ihr Sie, wie immer, aufrichtigst hochschätzender
R Hönigswald
Dürfte ich Sie noch um die große Freundlichkeit bitten[f] mir gelegentlich die amerikanische Adresse von Prof. Krueger[7] gütigst mitteilen zu lassen, da ich den Wunsch hätte meine kleine Arbeit auch ihm zu übersenden. In herzlicher Ergebenheit d[er] O[benstehende]