Eduard Spranger an Vaihinger, Leipzig, 25.4.1912, 3 S., hs., liniertes Papier, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 k
Leipzig[a], Grassi-Str. 14.
den 25. April 1912.
Hochgeehrter Herr Geheimrat!
Für Ihre sehr gütigen Zeilen[1] und Ihre nachträglichen Glückwünsche[2] sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. Ich brauche wohl kaum zu sagen, wie gern ich an der Tagung[3] teilnehmen würde und wie sehr sie mich in allen ihren Teilen interessiert. Leider aber bringt der Beginn des Semesters so viele Arbeiten und besonders Examenspflichten mit sich, daß ich leider am Sonnabend nicht abkommen kann und Sie | für meine notgedrungene Absage um Verzeihung bitten muß. Der Verlust ist ganz und gar auf meiner Seite; denn auch für die Frage, die Sie andeuten, stehen Ihnen, hochgeehrter Herr Geheimrat, so viel erfahrenere Fachleute zur Verfügung, daß ich gewiß entbehrlich bin, und es bleibt mir nur übrig, Ihnen für Ihr mich hoch ehrendes Vertrauen meinen tiefsten Dank auszusprechen.
Von den mir zugesandten Drucksachen[4] werde ich mit lebhaftem Interesse Kenntnis nehmen. Auch hierfür sage ich meinen besten Dank und darf zum Schluß hinzufügen, daß die | Nähe zwischen Halle und Leipzig mich hoffen läßt, daß ich mich Ihnen bei andrer Gelegenheit vielleicht vorstellen darf.
Bis dahin bitte ich Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, den Ausdruck meiner größten Verehrung entgegenzunehmen, in der ich verbleibe Ihr hochachtungsvoll ergebener
Eduard Spranger.