Alma von Hartmann an Vaihinger, Berlin, 20.4.1912, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 2 f, Nr. 1
Berlin d. 20. März[a] 1912
S. Hasenheide 75 II
Hochgeehrter Herr Professor.
Meine Tochter und ich werden Ihrer freundlichen Einladung zum 27. d[es] M[onats] gern Folge leisten. Mein Sohn, der übrigens verheirathet ist[1], was die Situation an und für sich noch trauriger macht, ist, wie es scheint, jetzt nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr, so daß wir Berlin wohl für eine Nacht verlassen können.
Ihre Philosophie des Als Ob bildet jetzt meine Lektüre. Ich finde doch mehr Punkte der Übereinstimmung als ich vermuthete. Ihre Mystifikation des Publikums[2] erinnert mich ein wenig an die Hartmannsche Schrift[3] „das Unbewußte | vom Standpunkt der Physiologie und Descendenztheorie“, die in der ersten Auflage anonym erschienen war, um die Gegner in völliger Sicherheit einzuwiegen.
Es wird mir eine große Freude sein, Sie kennen zu lernen.
Wir werden in Stadt Hamburg[4] Quartier nehmen, mittags aber für uns allein speisen und nur zu den beiden Versammlungen kommen.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Ihre
Alma v. Hartmann.