Vaihinger an Hans Prager, Halle, 5.5.1911, 4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf PROF. DR. H. VAIHINGER | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15., Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131770
5. Mai 1911.
Sehr geehrter Herr!
Infolge Unwohlseins komme ich erst heute dazu, Ihren freundlichen, ausführlichen Brief[1] zu beantworten. Es freut mich sehr zu erfahren, daß Sie selbst sich recht erholt haben und daß Sie Ihre Studien mit erneuter Kraft aufnehmen können. Es freut mich auch zu hören, daß Sie so eifrig tätig sind als Rezensent; ich habe mit Interesse Ihre Besprechung der Schrift von Popper[2] gelesen, die ich mit bestem Dank zurücksende. Ihre Besprechung der Schrift von Rehmke[3] habe ich mir von der Redaktion der „Frankf[urter] Zeitung[a]“ ausgebeten.
Daß Sie in der Letzteren mein Buch besprechen[4] wollen, ist mir sehr lieb; es kommt mir sehr darauf an, daß in dieser hervorragenden | und von mir sehr geschätzten Zeitung ein objektives Referat kommt. Was den Umfang eines solchen betrifft, so darf ich Ihnen vielleicht eine mir vor kurzer Zeit zugegangene Besprechung eines philosoph[ischen] Werkes von Cohen durch Jacobs[5] zusenden, aus welcher hervorgeht, daß die „Frankf[urter] Zeitung[b]“ auch größere Besprechungen in Form eines Feuilletons nimmt; das wäre vielleicht in diesem Falle eben[c] angezeigt, weil es sich ja um ein umfangreiches Werk handelt. Eine Rezension kann ja nur immer kürzer ausfallen aber ein Feuilleton mit eigenem Titel kann umfangreicher sein und macht auch einen bedeutenderen Eindruck. Sie können sich der „Frankfurter Zeitung“ gegenüber geradezu auf dieses Feuilleton berufen und mit Rücksicht auf dasselbe beantragen, daß auch Ihnen ebenso viel Raum zugestanden wird, sonst müssen Sie sich zu sehr zusammendrängen | und das wäre schade bei der großen Arbeit, welche doch die Lektüre macht. Vielleicht senden Sie mir gelegentlich den Jacobs’schen Artikel zurück.
Die Versendung meines Werkes erfolgt in nächster Woche; Sie werden es also bald in Händen haben und dann können Sie ja, wenn Sie es in Händen haben und wenn Sie sich in dasselbe hineingelesen haben, den Antrag bei der Redaktion stellen, mehr Raum zur Besprechung zu bekommen.
Daß Sie auch das Werk von Lask[6] besprechen, ist mir sehr interessant zu erfahren, ich habe schon vor längerer Zeit, schon während seines Entstehens über das Werk allerlei gehört; danach soll es ein bedeutendes Werk sein.
Den mir s[einer] Zeit[d] zugesendeten Separat-Abdruck Ihres Artikels über Bergson[7] besitze ich noch, aber ich hatte bei mei|nem letzten Brief[8] nicht mehr in Erinnerung, daß ich den Aufsatz Ihrer Güte verdanke.
Vielleicht haben Sie auch unterdessen herausgebracht, wie das wunderliche Werk[9] eigentlich heißen soll, welches in Ihrem Referat über die Florentinische Bibliothek enthalten war.
Ich werde mich sehr freuen, wenn Sie bei der Lektion meines Werkes finden, daß dasselbe klar und verständlich, ja vielleicht allgemein verständlich geschrieben ist: das hat mir auch Herr Dr. Sternberg[e] bestätigt, welcher das Buch für das „Berliner Tageblatt“ anzeigt[10].
Mit besten Grüßen und Wünschen, Ihr
H. Vaihinger