Hans Richert an Vaihinger, 8.9.1908, Pleschen [Pleszew in Polen], 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Nachlass Vaihinger, Aut. XXIII, 3 i
Pleschen[a] 8. Sept[ember] 08.
Hochverehrter Herr Geheimrat,[b]
die Heidelberger Tage[1] liegen hinter Ihnen; ich habe mich mit dem durch die Berichte gesteigerten Sehnsuchtsblick ins gelobte Land begnügen müssen. Eine drohende Scharlachepidemie machte meine Anwesenheit nötig.
Meinen herzlichen Dank für Ihren gütigen Brief[2] habe ich mir bis heute aufgespart, wo ich Sie wieder in Halle vermute.
Meinen Beitrag für die Kantgesellschaft[3] für 1908 sende ich anbei u. freue mich herzlich auf die Anregung und Vertiefung durch die Studien. Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein, für die Studien zu recensieren.[c] Ebenso werde ich gelegentlich einmal um Aufnahme eines Artikels bitten. Bei dem zähen und ermüdenden nationalen Kleinkriege hier ist die Flucht in die Philosophie ein Gebot der Selbsterhaltung. Und darum danke ich Ihnen, hochverehrter Herr Geheim|rat, doppelt herzlich für das gütige Interesse, das Sie mir entgegengebracht haben. Die 1908 erschienenen Kant-Studien erhalte ich wohl nachträglich.
Mit herzlichen Wünschen für unsere Gesellschaft und ihren Leiter in herzlicher und dankbarer Verehrung Ihr sehr ergebener
H. Richert.