Johannes Volkelt an Vaihinger, Leipzig, 10.1.1908, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 o
Leipzig, den 10. Januar[a]
1908.
Hochgeehrter Herr Kollege!
Wie gern würde ich Ihrem Wunsche gegenüber mich zugänglich zeigen! Allein die Lage, in der ich mich befinde, zwingt mich, Sie zu bitten, von meiner preisrichterlichen Betätigung absehen zu wollen.[1]
Das Lesen von Manuskripten ist für mich durch das[b] bedrohliche Wachsen der Zahl der Dissertationen, die an mich herankommen, und der Staatsprüfungsarbeiten zu einer ungeheuren Last geworden. Fast täglich seufze ich darunter, da ich während der vielwöchentlichen Prüfungsperioden kaum zu einer wissenschaftlichen Arbeit komme. Dazu kommt mein | schwächlicher Gesundheitszustand, der mich nötigt, mich vor jeder Überanstrengung zu hüten und mit meinen Kräften hauszuhalten.
Sehen Sie daher, verehrter Herr Kollege, nicht Mangel an Interesse oder Entgegenkommen darin, wenn ich Sie bitte, von mir absehen zu wollen.
Mit herzlichen Wünschen für Ihre Gesundheit und schönem Neujahrsgruße Ihr ganz ergebener
Johannes Volkelt