Vaihinger an Paul Natorp, Halle, 28.3.1906, 3 S., hs., Briefkopf KANTGESELLSCHAFT. Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER., Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1086

Verehrter Herr College!

Herr College Ziegler hat unterdessen das Preisrichteramt[1] angenommen[2]. Vielleicht dürfen wir hoffen, daß Sie nun dasselbe auch annehmen. Um Mißverständnisse zu verhüten, bemerke ich ausdrücklich, daß Preisrichteramt und Mitgliedschaft zur Kantgesellschaft durchaus nicht verbunden zu sein brauchen. Sie brauchen absolut nicht Mitglied der Kant-Gesellschaft[a] zu werden, wenn Sie das Preisrichteramt annehmen. | Beides sind ganz getrennte Dinge.

Was einen Literarhistoriker betrifft, so haben wir daran gedacht, ob nicht Ihr Kollege [Ernst] Elster[3] dazu geeignet und geneigt wäre. Ich bitte Sie mir unumwunden Ihre Meinung darüber zu sagen. Wenn Sie für ihn auch sind[b] bitte sprechen Sie einstweilen vorläufig vertraulich mit ihm und theilen Sie mir das Ergebniß mit, dann wende ich mich officiell an ihn. Also auch ihm können wir eine Remuneration von 200 M bieten. |

Es hätte großen Werth wenn mindestens 2 der Preisrichter an Einem und demselben Orte wohnen: dies würde die Abwickelung der Sache wesentlich vereinfachen.

Mit der Bitte um baldigen Bescheid Ihr ergebener

H. Vaihinger


Entschuldigen Sie meine schlechte Schrift; ich habe Staar an beiden Augen.

Kommentar zum Textbefund

aKant-Gesellschaft ] KG
bauch sind ] Lesung unsicher

Kommentar der Herausgeber

1das Preisrichteramt ] vgl. die Korrespondenz Vaihingers mit Natorp vom 23.3.1906–27.4.1909 sowie Vaihinger: Zweite Preisaufgabe der Kantgesellschaft. Walter Simon-Preisaufgabe […]. Bericht der Preisrichterkommission [in der endgültigen Zusammensetzung: Theobald Ziegler, Paul Natorp, Paul Menzer]. In: Kant-Studien 14 (1909), S. 313–321.
2angenommen ] etwaiges Schreiben Zieglers nicht überliefert
3Ihr Kollege Elster ]  Ernst Elster (1860–1940, seit 1901 ao. Prof., seit 1903 o. Prof. für neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Marburg; Holzhey, Cohen und Natorp Bd. 2, S. 342–343) war nicht als Preisrichter tätig.