Vaihinger an Friedrich Theodor Althoff, Halle, 15.3.1906, 4 S., hs., Briefkopf PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15., Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991
15. März 1906
Ew. Excellenz
übersende ich inliegend ganz ehrerbietigst einen Artikel von mir in der „Post“[1], der sich auf die letzte Universitätsdebatte bezieht. Es war mir äußerst peinlich, daß die Angelegenheit der philosophischen Professur vor die Öffentlichkeit gebracht worden ist, und noch peinlicher und mißfälliger war mir der Ton, in welchem das geschehen ist. Wenn ich auch jetzt, nachdem ich in Folge meiner elenden Gesundheitsverhältnisse[a] um meine Emeritirung[2] ein|kommen mußte, gar kein Interesse noch an der Sache mehr habe, so habe ich doch noch ein lebhaftes Interesse für gerechte und einsichtige Betrachtung der Universitätsangelegenheiten, und so drängte es mich gegenüber der unbilligen Darstellung der Dinge im Abgeordnetenhaus eine objective Auffassung derselben anzubahnen.
Selbstverständlich habe ich selbst mit dem Abgeordneten Justizrath Keil[3] weder über allgemeine Universitätsangelegenheiten noch über meine eigene Sache, weder mündlich noch schriftlich, weder direct noch indirect verhandelt. Ich bin principiell dagegen, Universitätsinteriora, insbesondere Personalfragen, | vor das Publicum zu bringen. Auch habe ich sonst jede Gelegenheit ergriffen, innerhalb der Kollegenkreisen[b] bei Discussionen über solche Fragen eine objective Auffassung zu vertreten.
Ich benutze diese Gelegenheit, um Ew. Excellenz die beiden letzten Lieferungen der „Kantstudien“ zu übersenden; sie werden aber jetzt ganz von den Privatdocenten Dr Bauch redigirt, da ich meiner schlechten Augenverhältnisse halber Manuscripte gar nicht mehr und Gedrucktes nur bei ganz besonders heller Beleuchtung und bei besonders schwarzem Druck lesen kann. Auch schreiben kann ich, wenn auch eher, so doch nur bei sehr guter Beleuchtung, wie ich sie mir in meinem Studierzimmer | extra habe herrichten lassen.
Indem ich Ew. Excellenz noch für Ihren gütigen theilnehmenden Brief aus Wiesbaden[4] herzlich danke, und hoffe, daß Ew. Excellenz sich daselbst gründlich erholt haben, zeichne ich als Ew. Excellenz in steter Dankbarkeit ganz ergebenster
H. Vaihinger
P. S. Exemplare des Artikels habe ich auch an S. Excellenz den Herrn Minister[5], sowie an die Herren Elster, Schmidt, v. Eilsberger, sowie Naumann[6] gesendet.