Eugen Kühnemann an Vaihinger, Marburg, 4.8.1902, 4 S., hs., eingeprägter Briefkopf E K, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 5 p, Nr. 6
Marburg, 4. Aug[ust] 1902.
Hochverehrter Herr Professor!
Nehmen Sie herzlichen Dank für die freundliche Art, mit der Sie mir die für mich schmerzliche Entscheidung mitgeteilt haben.[1] Ich wäre zwar gegangen. Aber so sehr ich die Entscheidung anders gewünscht hätte, so wenig kann ich doch wünschen, in eine Germanistische Professur einzurücken[2]. | Und so ist es immerhin noch gut: Auch bleibt die Sache wenigstens mit Einer guten Erinnerung für mich verknüpft. Und hierfür sage ich Ihnen meinen ganz besonderen Dank. Sie hat mir gezeigt, daß Sie einen freundlichen und thätigen Anteil an mir nehmen, – daß ich doch nicht so ganz | für das nichts arbeite, wie mir wohl manchmal schien.
Besten Dank auch für Ihr schönes Nietzschebüchlein[3]. Ich habe es mit großer Freude gelesen und halte es für ganz besonders geeinget, um über die rätselhafte Erscheinung glücklich aufzuklären. |
Ich reise morgen in die Schweiz (Wengen, bei Lauterbrunnen, Hotel Silberhorn).
In größter Hochachtung Ihr ergebenster
Prof. Kühnemann.