Wilhelm Wundt an Vaihinger, Leipzig, 13.7.1901, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9 o, Nr. 5
Leipzig, 13. Juli 1901.
Verehrter Herr College!
Besten Dank für Ihren freundlichen Brief[1]. Die Kant-Studien würde ich sicherlich nicht aus den Augen verlieren. Vorläufig ist aber durch umfängliche litterarische Verpflichtungen, vor allem auch im Hinblick auf die einstmalige Fortsetzung meiner Völkerpsychologie[2], meine Zeit so[a] sehr in Anspruch genommen, daß mir eigentlich selbst die Ausarbeitung der Fechner-Rede[3] eine unbequeme Unter|brechung gewesen ist, zugleich aber freilich eine Pflicht, der ich mich, nachdem einmal unsere Gesellschaft der Wissenschaften die Feier beschlossen, nicht glaubte entziehen zu können. Wann dürfen wir denn einmal die Fortsetzung ihres Kant-Commentars[4] von Ihnen erwarten? Entschuldigen Sie diese, Ihnen vielleicht auch unbequeme Frage!
Mit den besten Grüßen Ihr ergebener
W. Wundt.