Theodor Lipps an Vaihinger, München, 7.6.1901, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 7 g, Nr. 3

Sehr verehrter Herr Kollege

Mein Schüler, Dr. August Gallinger, hat Ihnen, wie er mir sagt, schon vor 8 Tagen geschrieben[1] und bei Ihnen angefragt, ob Sie seine Arbeit[2] in die Kantstudien aufnehmen wollen. Dazu hatte ich ihn ermuntert. Die Arbeit scheint mir, wenn noch einiges Sprachliche gebessert[a] ist, für die Kantstudien geeignet. Ihrem Inhalte nach paßt sie jedenfalls durchaus hinein, da sie eben das Recht der Kantschen Lehre gegenüber einigen modernen Ethiken[b] nachweisen will.

Ich habe das Thema gestellt nach demjenigen, das Soloweiczik bearbeitet hat[3]. Es sollte dazu eine Ergänzung sein.

Ich erlaube mir nun Ihnen die Arbeit zur Aufnahme zu empfehlen. Für den Fall Ihrer Geneigtheit füge ich die Bitte hinzu, daß ich die Korrektur mitlesen darf. Da ich | mich für die Arbeit in gewisser[c] Weise verantwortlich fühle, so möchte ich die Gelegenheit haben, eine etwa stehen gebliebene Ungeschicklichkeit im Drucke noch auszumerzen bz.[d] den Drucker[e] zur Ausmerzung zu veranlassen.

Mit bestem Gruße Ihr ganz ergebenster Kollege

Th. Lipps

Kommentar zum Textbefund

agebessert ] doppeltes s mit ß geschrieben
bEthiken ] davor gestrichen: (unleserliches Wort) der
cgewisser ] doppeltes s mit ß geschrieben
dbz. ] kann auch lz. heißen; womöglich aufzulösen nach: beziehungsweise
eDrucker ] Lesung unsicher

Kommentar der Herausgeber

1Mein Schüler … geschrieben ]  Schreiben nicht ermittelt
2seine Arbeit ] meint wahrscheinlich Gallinger, August: Zum Streit über das Grundproblem der Ethik in der neueren philosophischen Litteratur. In: Kant-Studien 6 (1901), S. 353–426.
3das Thema … bearbeitet hat ]  vgl. Lipps an Vaihinger vom 17.6.1900 sowie Soloweiczik, Raphail: Kants Bestimmung der Moralität. In: Kant-Studien 5 (1901), S. 401–443.