Kurd Laßwitz an Vaihinger, Gotha, 26.3.1900, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 6 k, Nr 4[a]
Gotha, 26.3.00.
Waltershäuserstr. 4.
Hochgeehrter Herr.
Verbindlichsten Dank für die Übersendung der Willeschen Conjekturen[1]! Da ich selbstverständlich Abonnent der „Kantstudien“ bin, hätte ich sie[b] auch dort kennen gelernt, aber Sie konnten freilich nicht wissen, daß ich bis zur „falschen Spitzfindigkeit“ noch gar nicht gekommen bin, sondern erst die für den 1. Band[2] bestimmten Schriften (bis 1757) abgeschlossen habe. Also herzlichen Dank für Ihre Liebenswürdigkeit!
Wegen der „Wirklichkeiten“ habe ich eben energisch reklamiert.[3] Ich habe natürlich vorausgesetzt, daß Ihnen das Buch geschickt worden ist. Aber mein Verleger[4] ist ein unglaublich unzuverlässiger | Mensch, und trotz wiederholter Aufforderung habe ich noch keinen Bericht über die versandten Recensionsexemplare erhalten können. Ich nehme an, daß Ihnen das Buch nunmehr sofort zugehen wird. Tragen Sie die Verzögerung dem unschuldigen Autor nicht nach![c] Das[d] Kapitel „Kant und Schiller“ bringt freilich nichts Neues, zumal Sie schon auf meinen damaligen Artikel in der „Nation“[e][5] freundlichst hinwiesen. Aber ich hoffe, daß die ersten 20 Capitel, inbesondere 5, 6, 8–19, in denen ich eigentlich zum ersten Mal meinen eigenen Standpunkt auszusprechen versuche,[f] einiges Interesse erwecken. Jedenfalls würde ich Ihnen für jede Meinungsäußerung sehr dankbar sein. |
Da Sie gütigst an die „Woche“ erinnerten[6], muß ich gestehen, daß Sie mir in der nächsten oder übernächsten Nummer wieder in einer kleinen Skizze „Der Gehirnspiegel“[g][7] daselbst begegnen können. Ist Ihnen vielleicht mein Artikel über G. Bruno[8] in der „Frankfurter Zeitung[h]“ zu Gesicht gekommen?
Mit besten Grüßen Ihr hochachtungsvoll ergebener
Kurd Laßwitz
Kommentar zum Textbefund
a↑Aut. XXII, 6 k, Nr 4 ] Signatur identisch mit Laßwitz an Vaihinger vom 2.6.1897
c↑nach! ] Lesung des Ausrufezeichens unsicher
d↑Das ] verbessert aus:
Der; danach Ansatz gestrichen:
Artik e↑bringt freilich … „Nation“ ] am
Rd. mit Blaustift:
? f↑versuche, ] am unteren
Rd. der Seite Fußnote mit Verweiszeichen (Asterisk und Klammer) von Laßwitz’
Hd.:
z. B. die Auffassung der sog. parallelistischen Theorie vom krit. Standpunkte aus. g↑„Der Gehirnspiegel“ ] mit Blaustift unterstrichen, am
Rd. Blaustiftkringel
h↑Frankfurter Zeitung ] Frankf. Ztg. Kommentar der Herausgeber
1↑Übersendung der Willeschen Conjekturen ] vgl. Vaihinger an Laßwitz vom 25.3.1900
2↑den 1. Band ] der sogenannten Akademie-Ausgabe der Schriften
Kants, für die Laßwitz neben anderen Herausgebern an der Ersten Abteilung (Werke) beteiligt war,
vgl. Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften (
Hg.): Kant’s gesammelte Schriften
Bd. 1: Vorkritische Schriften I (1747–1756). Berlin: Reimer 1902.
3↑Wegen der … reklamiert. ] vgl. Vaihinger an Laßwitz vom 25.3.1900; etwaiges Schreiben Laßwitz’ an dessen Verleger
Emil Felber nicht ermittelt.
4↑mein Verleger ] Emil Felber (1866–1932) hatte 1892 den gleichnamigen Verlag gegründet, in dem Laßwitz’ Werk erschien (
vgl. Würffel, Reinhard: Lexikon deutscher Verlage von A–Z. Berlin: Grotesk 2000,
S. 230).
5↑Artikel in der „Nation“ ] etwaiger Hinweis Vaihingers nicht ermittelt; meint wahrscheinlich Laßwitz: Zu Ehren Kant’s. In: Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Litteratur 15 (1897/1898),
Nr. 28 vom 9.4.1898,
S. 411–413, aus dem Laßwitz mehrere Absätze übernahm in das genannte Kapitel in
ders.: Wirklichkeiten. Beiträge zum Weltverständnis. Berlin: Emil Felber 1900. Digitalisat:
https://archive.org/details/wirklichkeitenb00lassgoog/ (12.3.2024),
S. 337–358;
vgl. Vaihinger an Laßwitz vom 11.8.1897 und Laßwitz an Vaihinger vom 2.6.1897.
6↑Da Sie … erinnerten ] vgl. Vaihinger an Laßwitz vom 25.3.1900
7↑„Der Gehirnspiegel“ ] vgl. Laßwitz: Der Gehirnspiegel. Ein Triumph der Technik. In: Die Woche 2 (1900),
Nr. 13 vom 31.3.1900,
S. 563–565.