Heinrich Rickert an Vaihinger, Freiburg (Breisgau), 22.7.1899, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 7
Freiburg i. B.
22. Juli 99.
Sehr geehrter Herr Kollege!
Für Ihren freundlichen Vorschlag[1] bin ich Ihnen sehr dankbar. Ich werde also mein Manuscript[2] bis Mitte August an die Verlagsbuchhandlung[3] senden. Selbstverständlich möchte ich mindestens eine Correktur lesen. Am liebsten lese ich eine Correktur in Fahnen und eine Revision[a]. Ich darf mich wohl deswegen mit Herrn Dr. Medicus in Verbindung setzen. Während des Monats August bleibe ich jedenfalls hier[b]. Wahrscheinlich auch später. Auf Honorar würde ich gerne verzichten | doch würde ich eventuell, wenn mein Artikel so wird, wie ich hoffe, ihn gerne als besondere Broschüre in den Handel gebracht sehen, wie das früher mit Windelbands Aufsatz über Kuno Fischer[4] geschehen ist[c]. Soll ich mich deswegen später direkt an den Verleger wenden? Als Titel hatte ich mir gedacht: „Der Atheismusstreit. Eine Säcularbetrachtung.“[d] Ich will nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart reden. Mein Ausgangspunkt ist der viel zu wenig beachtete Gegensatz der Ansichten Forbergs u. Fichtes. Was Forberg damals vertrat, vertreten heute ungefähr Paulsen, James u. a. Fichtes Ansichten können heute noch zur Kritik dieser Meinung dienen. Ich hoffe dabei meine eigene Stellung zum Grundproblem einer Religionsphilosophie aus andeuten zu können und wünsche deswegen auch die Veröffentlichung als Broschüre.
Mit kollegialem Gruß Ihr sehr ergebener
Heinrich Rickert.
Wenn Sie Kollegen Riehl sehen[5], bitte ich ihn vielmals von mir zu grüßen.