Paul Natorp an Vaihinger, Marburg, 29.3.1899, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 b, Nr. 3
Marburg 29.3.99.
Sehr geehrter Herr College!
Gleich Ihnen bin ich der Ansicht, dass die Beziehungen Pestalozzis (u. der ganzen P[estalozzi]’schen Strömung) zu Kant einer eignen Untersuchung bedürfen. Aber ich muss mich nun andern Arbeiten zuwenden u. habe deswegen schon die weitere Forschung über P[estalozzi] einem tüchtigen Schüler[1] überlassen, der bereits am Werke ist und[a] wohl mit einer grössern Arbeit in nicht zu ferner Zeit herauskommen wird. Ich würde es gradezu für Unrecht halten ihm noch mehr vorwegzunehmen; übrigens könnte ich, ohne neue Nachforschungen, zu denen mir die Zeit fehlt, nur das, was ich dem Kern nach gesagt habe, ausführlicher sagen, was eine zu undankbare Aufgabe ist. Und so bin ich leider nicht in der Lage, Ihrer an sich dankenswerten Anregung Folge geben zu können. |
Vielleicht lohnte eine Studie über Karl Ritters, des Geographen, Beziehungen zu Kant[b] (und Pestal[ozzi]) die Mühe; vielleicht finden Sie Gelegenheit eine solche anzuregen[2].
Mit collegialem Gruss Ihr ergebener
P. Natorp