Ludwig Busse an Vaihinger, Rostock, 23.12.1896, 4 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 3 p, Nr. 4
Rostock, 23.XII.96.
Hochverehrter Herr College!
Sie erhalten hiermit die Recension über Adickes’ ‚Kantstudien‘[1]. Ich habe sie fertig gestellt, weil ich mich sonst nicht hätte ruhigen Gemüts den Weihnachtsfreuden hingeben können, und weil ich überhaupt das Gefühl hatte, daß ich mir diese Sache endlich vorläufig vom Halse schaffen müsse, um ruhig weiter arbeiten zu können. So wie mein Zustand jetzt ist, wäre die Sache bei noch | längeren Zaudern besser doch nicht ausgefallen, vielleicht aber noch schlechter. Ich gebe sie Ihnen, recht u. schlecht, wie sie nun einmal ist. Wenigstens habe ich überall versucht, der Bedeutung der Adickes’schen Schrift gerecht zu werden; Sie werden finden, daß ich sogar in manchen Punkten mich ausdrücklich auf seine Seite gegen Sie und B. Erdmann stelle[2], so namentlich in der Frage des Hume-Einflusses 1772 od[er] 74. Den größeren Aufsatz[3], in dem ich nun Manches fortlassen kann, erhalten Sie nächstes Jahr; er wird nun viel selbstständiger vorgehen können. |
Eine Bitte habe ich noch. Würden Sie so freundlich sein, S. 12 d[es] Manuskriptes[a] unten bei Höffding die Seite, auf der er die „Erinnerung des David Hume“[4] anführt, hinzuzufügen? Mir ist der betr[effende] Band (VII) des Arch[iv] f[ür] Gesch[ichte] d[er] Ph[ilosophie] gerade nicht zur Hand. Die von Höffding selbst in s[einer] Gesch[ichte] d[er] neueren Phil[osophie]; deutsch von Bendixen, S. 634[b] (II. Bd.) angegebene Seitenzahl[5] ist – ebenso wie die der Adickes’schen Schrift – entschieden falsch.
Herzl[ichen] Dank für den Schluß des Adickes’schen Aufsatzes[6]. Er enthält so viel Wichtiges und Interessantes, daß ich darauf brenne, ihn in Ruhe – nach der Feier[7] – zu lesen. In dem größeren Aufsatze werde ich auf ihn eingehen; in dem „Referat“ | ging es nicht gut, sollte es nicht noch mehr anschwellen. – Zur Beruhigung diene Ihnen, daß ich mich doch nicht überarbeitet[8] habe.
Ihnen fröhliche Festtage und ein glückliches Neujahr wünschend, mit besten collegialischen Grüßen an Sie und der Bitte, mich Ihrer Frau Gemahlin zu empfehlen und die Collegen zu grüßen Ihr ergebenster
L. Busse.