Ludwig Stein an Vaihinger, Bern, 13.12.1895, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 7 c
Bern 13. Dez[ember] 1895
Gratulor[1], verehrtester Herr College![a] Das war[b] wirklich eine zeitgemäße Idee.[c] Ich wünsche Ihnen Vom Herzen Glück zu dem schönen Unternehmen, dessen freundnachbarliche[d] Tendenz mir sehr willkommen ist. Unsere Zeitschriften[2] ergänzen einander nur, und ich bin ganz der Meinung Prof. [Benno] Erdmanns, dem ich gleichzeitig in diesem Sinne schreibe[3], daß wir entweder Ihre Kant-Bibliographie[e][4] herübernehmen, oder unter Hinweis auf Ihr Unternehmen die Kantiana ausscheiden.
Daß Sie selbst für die Kantiana vom „Archiv“ zurücktreten, | ist ja kaum zu umgehen. Aber Sie werden ja in Zukunft Ihr wissenschaftliches Interesse[f] nicht nur auf Kant-Untersuchungen beschränken. Sie werden uns daher im „Archiv“ immer als Mitarbeiter sehr willkommen sein.
Als Zeichen freundnachbarlicher Gesinnung beider Zeitschriften werde ich im nächsten Heft des Archivs Ihren Prospect[g][5] vollinhaltlich im Text bringen – es ist dies das erste Mal, daß ich mich zu einer solchen Aufnahme in den Text des Archivs entschließe. Aber es soll eben der Fachwelt | damit markiert werden, daß wir persönlich und fachlich[h] Ihr Unternehmen willkommen heißen und als erfreuliche Ergänzung[i] des unsrigen betrachten.
Bezüglich der Kantiana, die Sie schon besitzen[6], möchte ich erst das Ergebniß unserer nächsten Sitzung[j] abwarten.
Mit freundschaftlichem Gruß und ergebener Empfehlung an die liebenswürdige Fee des Hauses Ihr ganz ergebener
Ludwig Stein