Georg Gerland an Vaihinger, Straßburg, 4.1.1891, 4 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 c, Nr. 4
Straßburg 4.1.1891
Sehr verehrter Herr College,
diesmal soll meine Antwort nicht wieder auf sich warten lassen[a] – habe ich mich doch voriges Jahr[1] genug geschämt. Haben Sie also herzlichen Dank für Ihren freundlichen Glückwunsch nebst schönem Bild und lassen Sie mich denselben für Sie und Ihre Frau recht herzlich erwidern. Ihr Aufenthalt in Berlin verbürgt mir, daß Sie das neue Jahr vergnügt angefangen haben: mögen Sie es denn | auch fröhlich fortsetzen und beenden und in Haus u. Beruf viel Freude erleben!
Jetzt studirt ein Vetter von Ihrer Frau Gemahlin hier, ein Astronom, Joh[annes] Riem aus Wernigerode[2]. Wir sehen ihn öfters, ob Sie ihn aber kennen ist mir fraglich. Wohl aber kenne ich aus früheren Zeiten Ihre Schwieger-Großältern[b][3] u. bitte um Empfehlungen an sie.
Die Straßburger Fakultät hat sich im vorigen Sommer sehr durch den Wechsel unserer Historiker verändert. Baumgarten ist emeritirt, Scheffer nach Berlin gegangen; dazu ist Heitz gestorben.[4] Mir geht namentlich | der Weggang Scheffers nahe, mit dem ich sehr befreundet war. Unsere Philologen kennen Sie auch nicht mehr, es ist eine neue Welt u. auch äußerlich hat sich die Stadt sehr verändert. Ein großer Gewinn für dieselbe ist eine neu angeschaffte kleine aber höchst treffliche Gemäldesammlung[5] (v. Dyck, Rubens, […][c], Teniers, Salv[ator] Rosa, Raffaelische[d] Schule u. s. w. u. s. w.), die fürs erste in der Universität aufbewahrt wird.
Und was gibt es in Halle alles[e] Neues? Meine alten Freunde werden Sie nicht kennen, so kann ich Ihnen auch nicht mit | Grüßen lästig fallen; wohl aber bitt’ ich um freundliche Empfehlungen an Ihre Frau und send’ ich Ihnen herzliche Grüße als Ihr sehr ergebener
G. Gerland.
Vielleicht interessirt es Sie zu hören, daß Martin Laas[6] jetzt nach Dresden als Assistent an die technische Hochschule daselbst geht. Frau Laas geht es gut.