Vaihinger an Ernst Dümmler, Halle, 20.12.1888, 4 S., hs., Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler
Halle a/S.
20[a].XII.88
Hochzuverehrender Herr Geheimer Regirungsrath![b]
Schon lange wollte ich Ihnen für die gütige Übersendung[1] Ihres Bildes, das mich ungemein erfreut hat, meinen Dank aussprechen. Ich verschob dies aber absichtlich bis jetzt, wo ich im Stande bin, diesen Dank mit einer kleinen Sendung zu begleiten. Wenn ich auch nicht annehmen kann, daß Ihnen alle meine Ausführungen gefallen werden, so weiß ich ja | doch, daß Ihnen die allgemeine Tendenz meines Vortrages[2] – die Polemik gegen Preyers Angriff auf unser Gymnasium – gewiß sympathisch ist. Meine Rede ist eine Schutzrede für das Gymnasium gegen dessen Verächter. Daß ich mich dabei auf den culturgeschichtlichen Standpunkt stelle, kann Ihnen als Historiker nicht unrichtig erscheinen. Dagegen werden Sie sich wohl mit dem darwinistischen Princip weniger befreunden. Dagegen wird es Sie gewiß interessiren, daß der Historiker Gervinus, wie ich in Anm[erkung] 32 (S. 38) nachgewiesen habe, schon ganz meinen Standpunkt eingenommen hat. |
Ich bin sehr begierig, wie man in Berlin im Ministerium über meine Rede urtheilen wird; an den Minister[3] v[on] Goßler, sowie an Althoff[4], Höpfner[5] und Wehrenpfennig[6] lasse ich zugleich Exemplare abgehen. Wehrenpfennig hat mir schon im September sehr freundlich geschrieben[7] auf den Artikel der „Norddeutschen Allgem[einen] Zeitung“ hin, den ich in der Vorrede auch erwähnt habe[8]. Außerdem sende ich Exemplare an Zeller[9], Dilthey, Mommsen, Curtius, und wenn ich noch weitere Adressen wüßte, an die eine Versendung räthlich erschiene, will ich noch weitere Exemplare versenden. (An Du Bois[c]-Reymond[10] sende ich auch ein Exemplar). Vielleicht können Sie mir, verehrtester Herr Geh[eimer] Rath, hierin Rath geben. | Sie werden ja mit mir darin übereinstimmen, daß man Alles thun muß, um die Gegner des Gymnasiums zurückzudrängen; um so mehr, als man behauptet – mit Recht oder Unrecht? – daß der neue Kaiser[11] dem Gymnasium nicht günstig gesinnt sei.
Haben Sie, verehrtester Herr Geheim. Rath, noch den besten Dank für die werthvollen Nachrichten, die Ihre Mittheilung noch enthielten, und haben Sie die Güte mich Ihrer verehrten Frau Gemalin[12] in empfehlende Erinnerung zu bringen, sowie Ihren Sohn Ferdinand[13] bestens von mir zu grüßen.
In herzlicher Verehrung Ihr ganz ergebenster
H. Vaihinger.