Carl du Prel an Vaihinger, München, o. D. [1.4.1885], 1 S., hs., Postkarte an Herrn Dr Hans Vaihinger | Universitäts Professor in Halle, Poststempel MÜNCHEN II. | 1 | APR. | 2–3 Nm. | 85., HALLE A. S. P. A. No 2. | ANKUNFT | 2/4 85 | 7–8 V., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 6 p, Nr. 6
Das von Ihnen gewünschte Laboratorium[1] würde ich sicherlich gründen, wenn ich überflüssige 10 000 M. hätte. Einstweilen bin ich auf anderweitige Erfahrungen angewiesen. Wären Sie mit mir in Wien gewesen u. hätten Sie sich dort von der Binsenweisheit des Spiritismus in einer ganzen Reihe von Sitzungen – bei Tag, Licht und Dunkel – überzeugt, so wäre Ihnen auch die Fortdauer ein gelöstes Problem, und Sie würden es für Zeitverschwendung halten, über Möglichkeiten zu spekuliren, statt Wirklichkeiten sich anzuschauen. Aus demselben Grunde unterlasse ich alle Bekehrungsversuche, zu welchen ich zudem keine Zeit habe, wenn ich in absehbarer Zeit schreiben will, was ich vorhabe. Einen Bericht[2] habe an die[a] „Gegenwart“ gesendet. Wenn Sie demnächst von Journalisten hören sollten, ich sei verrückt, brauchen Sie keine Angst zu haben; diesem Gesindel gilt jeder für verrückt, der nicht so einfältig ist, wie sie selber es sind. Die Theorie zu diesem Erlebten schreibe ich als „metaphysischen Darwinismus“[3]. Inzwischen habe Aussicht[b] auf weitere Erfahrungen u. zwar bei einem mir befreundeten Privatmedium, daß sich aber verbirgt.
Semper idem
du Prel