Vaihinger an Georg Wilhelm Kestner, Dresden, 19.3.1885, 2 S., hs., Visitenkarte[a] mit Aufdruck: Professor Dr Vaihinger | aus | Halle a. S., Umschlag an Herrn | Particulier[1] Kestner | Hochwohlgeboren | hier | Beuststraße 3I, Poststempel DRESDEN A. | 10 | 18/3 | * 85 a | 11–12 V., DRESDEN-ALTSTADT | 1. | 18 3[2] | * 85 l | 12–1 M., Universitätsbibliothek Leipzig, Slg. Kestner, III/B/I/413/Nr. 1
Um gütige umgehende Antwort
ersucht Professor Dr Vaihinger
Dresden, im Hôtel
Amalienhof No 22
aus
Halle a. S. |
Ew Hochwohlgeboren
erlaube ich mir ergebenst um gütige Auskunft zu bitten, ob Sie in Ihrer Autographensammlung vielleicht Sachen von Kant[3] haben, und ob Sie mir, bejahenden Falles, gestatten würden, davon Einsicht zu nehmen; ich würde in diesem Falle um genauere Zeitangabe ersuchen.
Ganz ergebenst
H. V.
19.III.85[b]
Kommentar zum Textbefund
a↑Visitenkarte ] eine zweite, ansonsten identische, liegt unbeschrieben bei, Aufdruck:
Professor Dr Vaihinger | aus | Halle a. S., dazu ein einfach gefaltetes Umblatt mit biographischen Notizen zu Vaihinger von Kestners
Hd. (?), von derselben
Hd. innen (um 90° gedreht) Verse notiert:
Der Mensch wird selbst sich zimmern / Seinen Werth und auch sein Glück, / Wenn er folgt dem Gott im Innern, / Und vorwärts geht und nie zurück (Autor nicht ermittelt).
b↑19.III.85 ] Anachronismus zum Poststempel nicht zweifelsfrei aufgelöst. Vermutlich hat sich nicht die vorliegende, sondern nur die andere, unbeschriebene Visitenkarte ursprünglich in dem beigelegten Umschlag befunden, der dann einen Tag vor Vaihingers Anfrage an
Kestner ging.
Kommentar der Herausgeber
1↑Particulier ] steht für: Rentier/Privatier.
Kestner lebte seit 1860 im Ruhestand in Dresden.
2↑18 3 ] Anachronismus nicht zweifelsfrei aufgelöst,
s. u. 3↑Sachen von Kant ] die Autographensammlung
Kestner enthält mehrere
Kantiana,
vgl. Universitätsbibliothek Leipzig, Slg. Kestner/II/A/IV/1053/
Nr. 1 : Introductio (eigenhändiges Manuskript, 2
Bl.);
Nr. 3 : undatierter Brief von
Kant an
August Wilhelm Rehberg.
Nr. 4 : Brief von
Kant an
Johann Erich Biester vom 10.4.1794.