Vaihinger an Carl du Prel, Halle, 12.9.1884, 1 S., hs., Postkarte an Herrn | Dr Du Prel aus München | in Ambach | am Starnbergersee | bei München, Poststempel HALLE SAALE | 1. | 12/9 | * 84 c | […]–4½ N, Poststempel und Frankierung mit grünem Wachsstift unleserlich gemacht, Textseite paginiert 3., Münchner Stadtbibliothek, Monacensia Literaturarchiv, Vaihinger, Hans A I/3
Komme so eben von der Fenreise nach Hause (ich war im Riesengebirge, sehr sehenswerth.)[a] und finde Ihre Karte[1] nebst dem freundlichen Geschenk Ihres Buches[2] vor. In Eile zunächst raschen, aber nicht minder herzlichen Dank für das Geschenk Ihres Werkes: ich sehe freilich immer mehr, daß wir in Methode und Resultat auch[b] immer mehr divergieren. Aber es ist alles flott und geistreich geschrieben. – Was [Albrecht] Krause schreibt[3], können Sie unbedenklich ignoriren, denn er ist ein Narr. Was Fischer dagegen gesagt[4] hat, ist aber auch blos witziges Geschwätz. Das Opus Posthumum ist interessant 1) psychologisch, weil man sieht, wie ein großer Geist mit seiner eigenen Decadance kämpft und wie es denkt im Menschen; 2) sachlich weil darin wirkliche Weiterbildung vorhanden ist. Ich gestatte mir Sie aufmerksam zu machen auf meine große Abhandlung[5] (in den „Straßburger[c] Abhandlungen zur Philosophie“ 1884) über Kants Idealismus; habe daselbst auch das Opus Posthumum behandelt. Bekam leider zu wenig Exemplare, konnte Ihnen daher keines senden; aber Schricker möchte so freundlich sein, Ihnen das Seinige zu senden. Eiligst, aber treulichst Ihr
Vaihinger
Halle a/S. 12.IX.84