Eduard Zeller an Vaihinger, Berlin, 6.6.1884, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 10 c, Nr. 7

Geehrter Herr College!

Schon seit Ihr schönes Festgeschenk[1] in meinen Händen ist, wollte ich Ihnen für Ihren Beitrag zu demselben meinen speciellen Dank aussprechen. Aber neben allem anderen ließ eine kleine, doch nicht ganz mühelose, Arbeit für die Akademie[2], die ich Ihnen in 3 Wochen hoffe schicken zu können, mich nicht dazu kommen; u. wenn ich einmal einen freien Augenblick zu haben meinte, kam sicher entweder ein auswärtiger Besuch, oder ein Correcturbogen oder | eine Anfrage, die sofortige Antwort heischte oder sonst etwas der Art. Für Ihre Abhandlung bin ich Ihnen umso dankbarer, da ich vieles daraus gelernt, in anderem mich unserer Uebereinstimmung erfreut habe. Nur hinsichtlich der Einwirkung des empirischen Objekts auf uns scheint mir noch eine einfachere Formulirung möglich zu sein. Denn da das empirische Objekt doch nichts anderes ist, als das transcendentale, sofern dieses unter den subjektiven Vorstellungsformen | angeschaut wird, bedeutet der Satz: unsere empirische Objektivität sei durch die Einwirkung des[a] empirischen Objekts bedingt, doch eigentlich nur: sie[b] sei dadurch bedingt, daß das transcendentale Objekt, als Grund unserer Empfindung, sich uns unter der Gestalt einer äußeren Erscheinung eines Gegenstandes im Raume darstelle. Sie lassen mich vielleicht einmal bei Gelegenheit[3] hören, wie Sie darüber denken.

Mit bestem Gruß Ihr aufrichtig ergebener

Zeller.

Kommentar zum Textbefund

ades ] davor gestrichen: uns
bsie ] Einfügung über der Zeile für gestrichen: es

Kommentar der Herausgeber

1Ihr schönes Festgeschenk ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 29.4.1884
2Arbeit für die Akademie ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 13.7.1884
3bei Gelegenheit ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 27.6.1884