Bartholomäus von Carneri an Vaihinger, Graz, 20.12.1883, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 16

Hochverehrter Herr!

Kürzlich von Wien zurückgekehrt, wo es vorderhand immer schlechter geht, bin ich von der Vollendung meiner Übersiedelung derart in Anspruch genommen, daß ich nicht weiß, wo mir der Kopf steckt. Wie gerne würde ich auf Ihren lieben letzten Brief[1] näher eingehen! Ich habe nicht einmal Zeit Ihnen zu sagen, mit welcher Befangenheit ich dem gründlichen Kenner Kant’s die Dreistigkeit[a] vor | Augen bringen, mit der ich mich auf den großen Königsberger stütze. Ich wäre glücklich, wenn ich mich nicht verhauen haben sollte.[b]

Geben Sie gütigst bei Gelegenheit die zwei andern Exemplare[2] ab und empfehlen Sie mich bestens.

In aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit Ihr ganz ergebener

B. Carneri


Glückliche Feiertage und ein gutes neues Jahr!

Kommentar zum Textbefund

awelcher … Dreistigkeit ]  am linken Rd. mit Bleistift angestrichen
bIch … sollte. ]  am linken Rd. mit Bleistift angestrichen

Kommentar der Herausgeber

1Ihren lieben letzten Brief ] Schreiben Vaihingers nicht überliefert
2die zwei andern Exemplare ] vermutlich eines Sonderdruckes von Carneri: Das Ansich der Dinge. In: Kosmos 7 (1883), 13. Bd. von April–Dezember, S. 561–573; vgl. Carneri an Vaihinger vom 29.11.1883.