Karl Schaarschmidt an Vaihinger, Bonn, 18.11.1883, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 5 b
Bonn, 18 Nov[ember] 83.
Hochgeehrter Herr College,
Indem ich Ihnen die Wittesche Polemik[1] sende, erlaube ich mir die Bitte hinzuzufügen, sie unerwidert lassen zu wollen. Die Sache steht doch so, dass wer an Ihre Blattversetzung glaubt, sich durch Wittes Argumentationen nicht darin irre machen lassen wird; und wer nicht daran glaubt, wird durch alle Ihre Gegenargumente auch nicht mehr überzeugt werden. Alles Gerede[a] ist also sachlich[b] vollständig[c] unnütz, das noch weiter erfolgt. Leistet aber Ihr Naturell den Gründen, die gegen[d] eine neue | Erwiderung sprechen, dennoch Widerstand, so bitte ich Ihre Antwort möglichst kurz zu fassen, was auch schon die Rücksicht auf den Zeitverlust, den Sie dadurch haben, empfehlenswerth erscheint[e]. Soll es eine Erwiderung sein, so würde eine ganz kurze Bemerkung, die Jederman[f] liest, am besten wirken.
Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit anzufragen, ob Sie geneigt wären, für die Philos[ophischen] Monatshefte die Besprechung des Anfangs (Bd. I. Abth[eilung] I.)[g] von G. Thiele’s Werk: „Die Philosophie Imm[anuel] Kants“ zu übernehmen[2], jedoch mit der Zusage, dann auch das Fol|gende zu recensiren. Sie dürfen nicht übel nehmen, dass ich diese – eigentlich selbstverständige[h] – Bedingung hinzufüge; es[i] zwingen mich schlechte Erfahrungen dazu, die es mir zum Grundsatz gemacht haben, eine derartige Zusage stets zu fordern, wenn ein erster Theil oder Abschnitt zur Besprechung angeboten wird.
Mit bestem Grusse Ihr ganz ergebener
Schaarschmidt.