Michael Bernays an Vaihinger, München, 2.11.1883, 2 S., hs., am Briefkopf blau eingedrucktes Monogramm MB, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 2 m, Nr. 5
Innig verehrter Freund und College!
Zu später Stunde zeigt sich mir das hehre Antlitz[1]. Gerade im Beginne des Semesters mag das Bild des Mannes, der neben allem, was er sonst war, auch als einer der fleißigsten Menschen gelten konnte, zu verdoppelter Kraftanstrengung mahnen. Meinen innigen Dank möchte ich am liebsten Ihnen persönlich mit lebendigem Worte kund geben. Nehmen Sie auch das schriftliche Dankeswort freundlich auf und glauben Sie an die stete Dauer meiner herzlichen Gesinnungen, welche durch die Bewunderung Ihrer Thätigkeit, wo möglich, noch | verstärkt und vertieft werden.
Mein Hauptcolleg[2] ist in diesem Winter dem sechzehnten Jahrhundert gewidmet. In welchem Bereich des großen philosophischen Gebietes, das Sie beherrschen, gedenken Sie vorzugsweise zu verweilen? Wie lebhaft verlangt es mich, einmal wieder persönlich mit Ihnen de rebus philosophicis[a] zu verhandeln!
In herzlicher Freundschaft und Dankbarkeit Ihr
Bernays.
München
Fürstenstr. 13,
2 November[b] 1883.