Ernst Laas an Vaihinger, Straßburg, 2.5.1883, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 6 a, Nr. 8

Ich bin sofort nachdem der Briefträger den 2. Brief vom 1.V.[1] bei mir abgelegt, zum Curator gegangen u. habe Ihre Tragödie ihm an’s Herz gelegt unter energischer Betonung der schweren Schädigung, die Sie durch Permanenz der Privatdocenthur erleiden. Er war sehr freundlich, entgegenkommend u. trotz Fischer (Med[izin]), Lucius (Theol[ogie])[2] gewillt, zu sehen was er, falls auch Kiel fehlschlägt, noch[a] in diesem Etats|jahr für Sie thun kann. Das Mitleid ergreift eben auch die Bueraukraten. Inzwischen: wozu ist die Philosophie, wenn sie[b] nicht in sustine[3] zu üben weiß! Also!

Mit herzlicher Theilnahme Ihr

E Laas

Kommentar zum Textbefund

anoch ] Einfügung unter der Zeile
bsie ] Sie

Kommentar der Herausgeber

12. Brief vom 1.V. ] nicht ermittelt
2Fischer (Med.), Lucius (Theol.) ]  die Rede ist von Friedrich Ernst Fischer und Ernst Lucius, im SS 1883 noch als PD, im WS 1883/1884 als ao. Prof. der Medizin bzw. der evangelischen Theologie im Personalverzeichnis der Universität Straßburg aufgeführt.
3sustine ] so wörtlich (lat.: gedulde dich!); womöglich gemeint: sustinentia (lat.): Ausdauer, Duldsamkeit, Geduld.