Bartholomäus von Carneri an Vaihinger, Wien, 16.2.1883, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 11

Hochverehrter Herr![a]

Ich muss Ihnen, wenn auch nur mit zwei Zeilen für die Liebenswürdigkeit danken mit der Sie meine letzten Briefe aufgenommen haben[1]. Sie können versichert sein, daß ich Ihre Ernennung[2] nicht aus den Augen lassen, und, wenn mir die Gelegenheit dazu geboten werden sollte, persönlich mich dafür einzusetzen, alles | thun werde, was zum Ziele führen kann. Wenn nicht alle Zeichen trügen, so beginnt bereits die jetzige Regierung zu wirken. Allzu rasch wird’s nicht gehen, aber allzu lange wird’s auch nicht mehr dauern. Compactieren[b][3] Sie daher wohin immer, nur nicht, wo Sie auf eine längere Zeit sich binden müßten. Gratz bleibt Ihnen aufbewahrt.

Ich schreibe in der Sitzung[4], | muß schließen, grüße Sie aber, wie wenn ich Sie sehen würde, in aufrichtiger Verehrung und Anhänglichkeit Ihr ganz ergebener

B. Carneri

Kommentar zum Textbefund

aHerr! ] daneben am rechten Rd. mit Bleistift von Vaihingers Hd.: Rede | „Schopenh.“ | Graz im | Sommer
bCompactieren ] Compatieren

Kommentar der Herausgeber

1aufgenommen haben ] diesbezügliches Schreiben Vaihingers nicht überliefert
2Ihre Ernennung ] in Graz als Nachfolger Riehls; kam nicht zustande.
3Compactieren ] im Sinne von: vertraglich binden
4in der Sitzung ] des Abgeordnetenhauses des Reichsrates.