Bartholomäus von Carneri an Vaihinger, Wien, 9.12.1882, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 6
Wien 9. Dez[ember] 1882.
Hochverehrter Herr!
Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihr liebes, liebes Schreiben[1], das ich leider nur flüchtig beantworten kann. Was ich über Ihre Ernennung[2] in Erfahrung bringen konnte geht dahin, daß die einzige Schwierigkeit in Ihrer Eigenschaft als Nichtösterreicher besteht, und nur darum ernsterer Natur ist, | weil erst kürzlich Nothnagel[3] hierher berufen wurde. Wären Sie nicht der Erste in der Terna[4], so würde die Schwierigkeit kaum zu überwinden sein. Allein der Vorschlag der Gratzer Universität ist kaum zu umgehen, wie auch Ihr Werk über Kant[5] eine Empfehlung ist, die keiner Ihrer Mitbewerber nur annähernd aufzuweisen hat. Das Facit ist, daß die Sache schwer geht, Sie aber weiter die meisten Chancen haben. |
Seien Sie überzeugt, daß ich von dem Wenigen, was ich in Ihrem Interesse tun kann, nichts versäumen werde.
Unter Einem[a] geht ein Separatabdruck[6] an Sie ab, in welchem ich Condillac den Seelenfreunden abzujagen suche. Geben Sie gütigst bei Gelegenheit 1 Exemplar Prof. Schmidt, das andere Prof. Goltz.
In aller Eile, aber ebenso herzlich, als eilig, ganz der Ihrige
B. Carneri