Benno Erdmann an Vaihinger, Kiel, 10.6.1882, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 4
Sehr geehrter Herr Dr.,
Für die fr[eundliche] Übersendung der Restlieferungen zu Bd. I[1] sage ich Ihnen meinen verbindlichen Dank. Ich habe alles sofort nach dem Eintreffen hier durchgesehen, um für den 2ten Band meiner Reflexionen, in dem ich versuchen werde, die ganze Masse der Reflexionen nach den einzelnen Perioden zu ordnen, und zugleich meine Ansichten über die Entwicklungsperioden darzulegen resp. zu verteidigen, alles zurechtzulegen.
Wir werden uns fürchte ich gegen|seitig nicht überzeugen, aber ich hoffe doch wenigstens Anlass zu haben, meine Ansicht vollständiger zu motivieren.
Ich habe früher daran gedacht, Ihren Commentar etwa in den Gött[ingischen] gel[ehrten] A[nzeigen] anzuzeigen[2]. Vielleicht komme ich dazu es in den gr[oßen] Ferien zu tun, nachdem ich etwas in die Arbeit für Bd. II hineingekommen bin. Ich möchte zuerst sehen, wieviel Raum ich dort der kritischen Auseinandersetzung widmen kann. Für manches allgemeine Bedenken, das sich brieflich nur umständlich entwickeln lässt, findet sich in den G[öttingischen] A[nzeigen] vielleicht der passendste Raum, ebenso für die Anerkennung, die Ihre um|fassende Arbeit verdient. Vermute ich richtig, wenn ich annehme, dass Sie Aussicht haben werden nach Freiburg zu kommen[3]?
Was hat Liebmann veranlasst[4], Straßb[urg] mit Jena zu vertauschen?
Von Dilthey weiß ich nicht mehr, als was jetzt durch die Zeitungen gelaufen ist. Vermutlich wird er annehmen[5].
K[uno] Fischer werde ich ganz sachlich, aber, wie ich denke vernichtend antworten[6], schwerlich aber vor Bd. II.
Mit freundl[ichem] Gruß Ihr ganz ergebener
B Erdmann
K[iel] d. 10/6 82