Carl Prantl an Vaihinger, München, 11.3.1882, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 2 k, Nr. 2
München, 11 Maerz[a] 82
Geehrtester Herr College!
Indem ich Ihnen für Ihre fortgesetzte freundlichste Zusendung[1] meinen besten verbindlichsten Dank sage, kann zu meinem großen Bedauern die Beantwortung des weiteren Inhaltes Ihrer geehrten Zuschrift v[om] 9t[en] d[ieses] M[onats][2] wenig Tröstliches für Sie enthalten. Ich weiß allerdings nicht, aus welcher Quelle Ihnen das, was Sie über Würzburg[3] schreiben, mitgetheilt worden sei, und es müsste mir sehr Leid thun, wenn aus diesem meinem Briefe eine unangenehme Discussion erwachsen sollte. Aber ich kann Ihnen nur berichten, daß, soweit ich meinerseits briefliche Nachrichten über die Würzburger Angelegenheit erhielt, seit Wochen in der Facultät nur Ein Personal-Vorschlag, nemlich[b] Jodl, besprochen wurde, und[c] daß in der jüngsten entscheidenden Senats-Sitzung gleichfalls nur dieser einzige Vorschlag Annahme fand und sonach der an das Ministerium | eingesandte Senats-Bericht lediglich den Antrag enthielt, den Dr. Jodl zum Extraordinarius zu ernennen.
Ich kann mir nicht denken, daß ich in dieser Angelegenheit von zwei Würzburger Collegen[4] falsche Nachricht erhalten habe; möglich wäre allenfalls, daß im ersten Anfange zu einer Zeit, in welcher über die Sache noch nicht an mich geschrieben wurde, auch andere Namen neben Jodl genannt worden seien. Aber ich möchte Sie bitten, diese meine Mittheilung als eine völlig vertrauliche zu betrachten.
Ihre wissenschaftlichen Leistungen und vor Allem Ihr begonnenes neuestes Werk sind wahrlich derartig, daß Sie einen Anspruch auf eine Professur erheben können, und ich sollte meinen, daß bei gebotener Gelegenheit man Ihrer in ganz anderer Weise gedenken müsse als z. B. des Dr. Neudecker[5] und mancher Anderer; aber freilich handelt es sich eben ums Abwarten. Seien Sie überzeugt, daß ich Sie stets mit meinen besten Wünschen begleite.
Hochachtungsvoll grüßend und nochmals dankend Ihr ergebenster
Prantl