Johannes Rehmke an Vaihinger, St. Gallen, 9.4.1881, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 b
St. Gallen d. 9[a] April 1881
Sehr geehrter Herr!
Für die Uebersendung der von Ihnen geschriebenen Anzeige meines Buches[1] sage ich höflichst Dank. Es thut mir leid, daß meine Zeit es mir nicht erlaubt, auf Ihre Anzeige näher einzugehen und Ihre, mich zum Theil ins Erstaunen setzenden, Aussetzungen durch aufklärende Winke zu paralysiren. Entschuldigen Sie daher, wenn ich nur kurz hier der Hoffnung Ausdruck gebe, daß Sie bei nochmaliger Lesung des Abschnitts 12 sich überzeugen werden, wie wenig mich der Vorwurf der[b] Amphibolie treffen kann, und daß Sie aus den früheren[c] Abschnitten ersehen werden, wie ich trotz mancher Gleichheit in meiner erkenntnißtheoretischen Anschauung mich principiell unterscheiden muß von den Positivisten, die mir keineswegs unbekannt sind, wenngleich ich sie nicht in Rücksicht auf die Anlage meines Buchs[d] erwähnt habe. In gleicher Weise werden Sie dann auch Ihre Meinung ändern u.[e] verstehen, warum ich mein Buch nicht „Die Welt als Wahrnehmung, Vorstellung u. Begriff“[f][2] nennen konnte, ohne | meinen erkenntnistheoretischen Standpunkt gründlich aufzugeben.
Indem ich Ihnen nochmals verbindlichst danke für die gefällige Zusendung Ihrer Anzeige bin ich in vollkommener Hochachtung
J Rehmke.