Vaihinger an Friedrich Zarncke, Straßburg, 3.3.1881, 3 S., hs., Universitätsbibliothek Leipzig, Nachlass Zarncke, NL 249/1/V/7

Verehrtester Herr Professor![a]

Anbei erhalten Ew. Hochwohlgeboren eine der rückständigen Recensionen; die Folgenden[1] werde ich baldthunlichst nachsenden, hoffe dieselben auch räumlich auf geringeren Umfang zu bringen.

Leider bin ich in der unangenehmen Lage, Ihnen anbei: „Glogau, Abriß der philos[ophischen] Grundwissenschaften“ | Band I wieder zur Verfügung stellen[2] zu müssen: zu spät habe ich gesehen, daß das umfangreiche Buch, das außerdem meinen eigenen gegenwärtigen Studien ganz ferne liegt, mich viel mehr Zeit kosten würde, als ich darauf zu verwenden habe. Auch in der Philosophie thut immer mehr eine gewisse Arbeitstheilung Noth. Unter den Specialisten hierfür wird sicher Ihr College, Herr Professor Wundt, oder Ihr Referent für Psychologie, der Nachfolger Lotze’s, Herr Professor Georg Elias Müller[b] Czernowitz-Göttingen | das Referat über das zurückgehende Werk mit Vergnügen übernehmen.

Ich erlaube mir daher meine frühere Bitte[3] zu wiederholen, bei eventuellen Zusendungen meine Specialität, Erkenntnißtheorie, sowie ganz speciell Kantiana thunlichst berücksichtigen zu wollen.

Ew Hochwohlgeboren nochmals um gütige Entschuldigung bittend ergebenst

Dr Hans Vaihinger


Das remittirte Buch ist per Kreuzband[4] an die Expedition[5] abgegangen.

Kommentar zum Textbefund

aProfessor! ] danach 3 Zeilen frei gelassen
bGeorg Elias Müller ] G. E. Müller

Kommentar der Herausgeber

1rückständigen Recensionen; die Folgenden ] vgl. Vaihinger an Zarncke nach 17.11.1880
2wieder zur Verfügung stellen ] vgl. die ungezeichnete Rezension über Glogaus Werk in: Literarisches Centralblatt, Nr. 13 vom 25.3.1882, Sp. 428, die folglich nicht von Vaihinger stammt.
3meine frühere Bitte ] vgl. Vaihinger an Zarncke vom 17.11.1880
4per Kreuzband ] Versandform für Drucksachen
5die Expedition ] das Leipziger Verlagsbüro der Zeitschrift Literarisches Centralblatt.