Richard Avenarius an Vaihinger, Zürich-Riesbach, 8.4.1880, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 12
Verehrtester[a] Herr College!
Nehmen Sie meinen verbindlichsten Dank für die Annahme meines Antrages[1]. Ich rechne nunmehr mit vollster Zuversicht auf Sie u. bitte Sie nur über die Sache nichts verlautbaren zu lassen!
Ihre Ausgabe der Kr[itik] d[er] r[einen] V[ernunft][2] halte ich umso entschiedener für eine gute Idee, als ich die ganz gleiche Idee selbst einer Verlagsbuchhandlung unterbreitete: wobei ich zugleich Sie als Ausführenden im Auge hatte. Zu einem Antrage kam es nicht, weil ich sehr bald darauf von Ihnen erfuhr, Sie hätten selbst eine Kantarbeit vor. 2 Kantarbeiten hätten Sie ja nicht übernehmen können. Und trifft[b] sich’s so!! Nun: viel Glück zu Ihrer Ausgabe! Kann ich dabei helfen, soll es gern geschehen.[c]
Ihrem Entwurf zu unserem Kant-Leitartikel | (über das Thema: „Was war die Kr. d. r. V.? was ist die Kr. d. r. V? was wird die Kr. d. r. V. sein?“) sehe ich mit Spannung entgegen. Ich denke u. hoffe, daß dieser Aufsatz von Ihnen unter den angegebenen Gesichtspunkten u. an der ihm anzuweisenden Stelle eine Bedeutung haben bz[w]. erlangen werde, die man als ein „Ereigniß“ soll bezeichnen dürfen.
Wie geht’s mit dem Befinden? Hoffentlich weiter nach Wunsch!
Mit besten Grüßen Ihr ergebenster
R. Avenarius.
Zürich-Riesbach, d. 8.IV.80.
Nebenbei & gelegentlich: ist der ewig bestürmende Tabakmensch W. Fischer, Metzgergießen 21[3] wirklich zu empfehlen?