Richard Avenarius an Vaihinger, Hirslanden/Zürich, 18.10.1877, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 7
Verehrtester Herr College!
Sie wissen längst, warum mein Dank für Ihren Artikel[1] sich so verspätet; nun nehmen Sie ihn zusammen mit meinem Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche[2]!
Ich habe Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen, und eine Änderung wäre mir nur (was Sie auch schon selbst gefühlt) in Betreff des § 4 wünschenswert gewesen – dieser könnte allerdings eine kräftige Kürzung[3] ertragen. Sonst habe ich mir nur erlaubt, einige Ausdrücke zu ändern[4] (z. B. statt „Zusammenkoppeln“ – „zusammenmengen“, weil Ihr „Sichten“ auf das „Koppeln“ nicht passen würde); ich hoffe, daß meine Aenderungen Ihren Beifall finden werden. – Hinsichtlich des Titels habe ich die Druckerei angewiesen, den Platz noch leer zu lassen: mir schien nämlich gerade im Hinblick auf Ihre Untersuchungen, auf die ja auch Sie den „Hauptnachdruck“ legen (§ 7 ff.), es nicht unangezeigt, den Titel selbst etwas „absoluter“ zu fassen, etwa so: „Inhalt u. Erkenntnißwerth des Begriffs des Absoluten (neue Zeile:) erörtert | an dem Beispiele Spencer’s.“ Was meinen sie hierzu? Fügen Sie den Titel nach Belieben ein.
Irre ich mich, wenn ich sachlich den Eindruck habe, daß Ihre Stellung gegenüber dem lieben Ding-an-sich noch ein wenig schwankend sei?
Die Correctur wird Ihnen von der Pierer’schen Hofbuchdruckerei (Stephan Geibel & Co) Altenburg[5], Sachsen-Altenburg zur gefl.[a] umgehenden Erledigung zugesandt werden; ich brauche Sie gewiß nicht daran zu erinnern, daß größere, vom Setzer unverschuldete Correcturen den Herren Autoren belastet werden müssen.
Ihre Manuscript-Sendung war für deutsche – nicht für außerdeutsche Verhältnisse frankirt – hat daher ein Strafporto von 4 fr. 50 c. zur Folge gehabt. Ich weiß nicht, was in solchen Fällen Usus ist: ob der sündige Autor oder die Verlagshandlung den Schaden hat[6]. Nun, wir werden ja sehen!
Und nun noch eine freundschaftliche Bitte! Sie haben doch gewiß die humane Absicht, daß ich Ihre Briefe auch lesen könne – aber dann bitte ich herzlich: ermöglichen Sie mir es durch Ihre edle Handschrift! Wie heißt z. B. doch | das Werk, das Sie mir als Beleg anzuführen[7] die Güte hatten?
Mit herzlichstem Gruß!
Ihr abgeplagter u. ergebenster
R. Avenarius.
Hirslanden b/Zürich, Forchstr. 11
d. 18. Oct[ober] 77.