Karl Philipp Fischer an Sophie Vaihinger, Bad Cannstatt, 13.5.1877, 2 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 8 i
Cannstatt 13. Mai 1877
Hochgeehrte Frau Stadtpfarrer[1]!
Vor allem spreche ich Ihnen und Ihrem werthen Herrn Sohn meinen aufrichtigen Dank für das Zutrauen aus, mit dem Sie beyde mich beehrten[2]. So bereit ich jedoch wäre Ihren Wünschen zu entsprechen, so muß ich doch zu meinem Bedauern gestehen, daß ich aus dem Grunde auf Ihren Herrn Sohn in Erlangen[3] nicht aufmerksam machen kann, weil er, so sehr ich sein Talent und seine Richtung, die er mit Lange jun[ior][4] theilt, | schätze, nach meiner Ueberzeugung[a] auf seinem Standpunkt nicht geeignet ist, die Philosophie Studirenden, von welchen in Erlangen weit die meisten Theologen sind, zum Studium der Theologie vorzubereiten.
Indem ich mich durch den erwähnten Grund zu entschuldigen bitte, empfehle ich mich Ihnen und Ihrem werthen Herrn Sohn freundlichst und verbleibe mit besten Wünschen hochachtungsvoll Ihr ergebenster
Professor D.r[b] Fischer